Zusätzliche Kundengruppen
Märklin nach Übernahme mit neuen Zielen

Der britische Finanzinvestor Kingsbridge Capital ist der neue Besitzer von Märklin. Obwohl das Göppinger Traditionsunternehmen schon seit Jahren an Umsatz verliert, will Kingsbridge vorerst keine Stellen streichen. Stattdessen plant der Investor Umbauten an anderer Stelle.

jojo MÜNCHEN. In den Fabrikhallen des traditionsreichen schwäbischen Modellbahnherstellers Märklin wird bald schon ein frischer Wind wehen. „Wir setzen alles daran, die Marke wieder mehr an die jungen Leute heran zu führen“, sagte Mathias Hink, Chef des britischen Finanzinvestors Kingsbridge Capital am Stammsitz des Unternehmens in Göppingen. Kingsbridge hat Märklin Ende vergangener Woche von den 22 Alteigentümern gekauft.

Kingsbridge kündigte an, die fast 150 Jahre alte Firma neu auszurichten, um sie damit aus der Krise zu führen. Dazu gehöre, neue Vertriebswege wie das Internet zu nutzen. Zudem solle die Zweitmarke Trix stärker genutzt werden. Die Loks und Waggons von Trix sind deutlich günstiger als die von Märklin. Darüber hinaus soll Märklin seine Modelle verstärkt im Ausland an den Mann bringen. Derzeit richtet sich Märklin vor allem an Sammler, die das nötige Geld haben, um die zum Teil viele hundert Euro teuren Züge zu kaufen.

Die Verhandlungen über den Verkauf haben sich monatelang hingezogen. Zuletzt weigerten sich noch drei Altgesellschafter, ihre Anteile zu verkaufen. Märklin ist in den vergangenen Jahren schwer ins Schleudern geraten. Vor vier Jahren erzielten die Schwaben noch einen Umsatz von 170 Mill. Euro, vergangenes Jahr waren es lediglich 123 Mill. Euro. Der Verlust lag bei 6,8 Mill. Euro. Schon seit zwei Jahren läuft deshalb ein Sanierungsprogramm, 340 Mitarbeiter mussten in Göppingen gehen.

Konkurrenz Multimedia

Märklin macht zu schaffen, dass sich immer weniger Kinder für traditionelles Spielzeug begeistern und schon in jungen Jahren zu Handy und PC greifen. Mit diesem Problem steht Märklin freilich nicht alleine da, es geht fast allen deutschen Spielwarenherstellern so. Nach Ansicht von Jürgen-Michael Gottinger von der Münchener Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner kommen die Anbieter nicht daran vorbei, interaktive Lösungen zu entwickeln. Gottinger: „Die multimediale Welt hat längst Einzug in die Kinderzimmer gehalten und muss innovativ genutzt werden.“

Wie genau der Umbau von Märklin aussehen wird, ließ der neue Eigentümer offen. Der Investor wolle die Anteile zwischen vier und sechs Jahren halten, hieß es. Das Management unter Führung von Paul Adams bleibt an Bord. Ein weiterer Stellenabbau sei nicht geplant. „Der Ansatz läuft über die Kosten und nicht über Personalabbau“, sagte Adams. IG Metall und Betriebsrat hatten sich für den Verkauf eingesetzt. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Kingsbridge ist vergangenes Jahr im Verbund mit der Deutschen Bank beim angeschlagenen Allgäuer Strumpfhersteller Kunert eingestiegen. Dort setzen die Investoren derzeit ein einschneidendes Restrukturierungsprogramm um, zwei Werke werden geschlossen. Kingsbridge selbst ist ein Teil der österreichischen Hardt Group, die nach eigenen Angaben 860 Mill. Dollar investiert hat.

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