Zusammenarbeit mit Gazprom angestrebt
Eon Ruhrgas hebt die Preise an

Gas wird teuerer. Eon Ruhrgas hat angekündigt, die Preise anzuheben. Um unabhängiger von Fremdlieferungen zu werden, strebt das Unternehmen weiterhin eine Zusammenarbeit mit Gazprom an, deren Anteilseigner die Essener sind.

HB ESSEN. Im Juli würden die Preise für die Ruhrgas-Kunden noch einmal deutlich steigen, wenn auch nicht mehr ganz so kräftig wie im April, sagte Vertriebsvorstand Michael Pfingsten am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz in Essen. Eine leichte Anhebung sei auch für Oktober geplant. Präziser wollte der Vorstand nicht werden. Ruhrgas-Kunden sind vor allem Stadtwerke.

Mit den geplanten Erhöhungen hätte Marktführer Eon Ruhrgas seine Preise 2005 vier Mal erhöht. Der Gaspreis folgt dem Ölpreis mit einem zeitlichen Abstand von einem halben Jahr. Zuletzt waren die Rohölnotierungen aber etwas zurückgegangen.

Ruhrgas-Vorstandschef Burckhard Bergmann verteidigte erneut diese in Deutschland traditionelle Bindung des Gaspreises an den Ölpreis. Die Kopplung an einen Primärenergieträger, die nicht direkt von einem Wettbewerber beeinflusst werden könne, trage erheblich zur Versorgungssicherheit bei, sagte Bergmann.

Mehr Versorgungssicherheit will der Gashändler auch durch einen bis zu 20-prozentigen Eigenanteil an der Gasproduktion erreichen. Deshalb verhandele man weiter mit dem russischen Gasriesen Gazprom über eine Beteiligung an dessen großem Gasfeld Juschno Russkoje in Westsibirien.

Außerdem will Eon Ruhrgas in das Geschäft mit Flüssiggas (LNG) einsteigen und prüfe derzeit Grundsatzfragen. Schließlich soll weiteres Gas aus der Nordsee gefördert werden. Bislang sei die Eigenproduktion von E.ON Ruhrgas unerheblich, sagte Bergmann. Große Investitionen in die Gasförderung zur Sicherung der eigenen Versorgung war eine der zentralen Bedingungen für die Ministererlaubnis zur Übernahme der Ruhrgas durch Eon gewesen.

Seinen knapp 6,5-prozentigen Anteil an Gazprom will Eon erst einmal behalten. „Wir haben keine Absicht, an unserem Aktienbestand etwas zu ändern“, sagte Bergmann, der im Vorstand von Eon das Gasgeschäft verantwortet.

Der russische Staat hatte am Vortag erklärt, er wolle die Mehrheit an Gazprom durch Zukauf von Aktien zum Marktpreis erwerben. Die Regierung rückte damit von früheren Plänen ab, durch Fusion des Gasriesen mit der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft das Sagen beim größten russischen Industrieunternehmen zu bekommen. Die russische Regierung verfolgt die Strategie, wieder die Kontrolle über alle strategisch wichtigen Rohstoff-Unternehmen zu erlangen. Präsident Wladimir Putin hatte die russische Kontrolle über Gazprom als eine der Voraussetzungen dafür bezeichnet, ausländischen Anlegern Investitionen in Gazprom zu erleichtern.

Eon hatte seine Beteiligung ursprünglich als Vorteil auf dem Weg zu einem umfangreichen Kooperationsabkommens mit Gazprom nutzen wollen. Inzwischen ist den Düsseldorfern aber der Konkurrent BASF mit einem Kooperationsabkommen in Sibirien zuvorgekommen. Bergmann sieht trotzdem weiter Chancen, dass auch Eon Ruhrgas in Juschno Russkoje mit zum Zuge kommt.

In das neue Jahr ist Ruhrgas, die ihren Marktanteil am deutschen Gasimport auf gut 50 Prozent schätzt, gut gestartet. Vor allem dank des Kälteeinbruchs im Februar und März stieg der Absatz im ersten Quartal um rund sieben Prozent auf 226 Milliarden Kilowattstunden, sagte Bergmann. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg nach früheren Angaben um 17 Prozent auf 486 Millionen Euro.

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