Zusammenlegung der Versorgungsgebiete
Behörde greift Gasnetzbetreiber an

Die Bundesnetzagentur hat gegen fünf Gasnetzbetreiber ein Missbrauchsverfahren eingeleitet. Die Bonner Behörde will ein einheitliches Netz für sogenanntes L-Gas erreichen, um neuen Anbietern und Händlern den Marktzutritt zu erleichtern und den Wettbewerb zu intensivieren. Die Energie-Unternehmen verweigern jedoch die Zusammenlegung ihrer "Marktgebiete".

DÜSSELDORF. Betroffen sind die Gasnetztöchter von RWE, Eon, EWE, Erdgas Münster und der niederländischen Gasunie Deutschland. Das L-Gas stammt vorwiegend aus Quellen in den Niederlanden und Deutschland und wird vor allem in Norddeutschland eingesetzt. Es hat einen niedrigeren Brennwert als das sogenannte H-Gas, das aus Russland und Norwegen stammt.

Die Unternehmen hatten nach Angaben eines Sprechers der Bundesnetzagentur zugesagt, bis Anfang Oktober ihre fünf Gasnetze zu zwei Netzen zusammenzulegen. "Die Unternehmen haben ohne stichhaltige Begründung ihre Zusage zur Zusammenlegung von Marktgebieten widerrufen", sagte der Präsident der Netzagentur Matthias Kurth. Jetzt haben die Unternehmen einen Monat Zeit für eine Stellungnahme.

Sprecher von RWE und Eon sagten, man werde sich die Argumente der Netzagentur anschauen, könne jetzt aber noch keine Stellungnahme abgeben.

Als Ergebnis des Verfahrens droht den Betreibern der Gasnetze eine Zusammenlegung der Versorgungsgebiete durch die Bundesnetzagentur. "Die weitere Verringerung des Marktgebietes ist dringend erforderlich, um den immer noch unzureichenden Wettbewerb im Gasmarkt voranzubringen und damit günstigere Bedingungen für die Verbraucher auch zum Wechsel ihres Lieferanten zu schaffen", begründete Kurth die Maßnahme. Eine Verhängung von Bußgeld ist offensichtlich nicht vorgesehen.

RWE und Eon hatten über eine Zusammenlegung ihrer Netze für L-Gas verhandelt. Die anderen drei Anbieter verhandelten ebenfalls miteinander. Mitte August hatten RWE und Eon aber erklärt, die geplante Kooperation könne nicht zum 1. Oktober dieses Jahres umgesetzt werden. Immer wieder geänderte Rahmenbedingungen ließen dies nicht zu. Beobachter vermuten, dass die Anbieter das Verfahren verzögern wollen. RWE hat Ende Mai angekündigt, sein gesamtes Gasnetz innerhalb von zwei Jahren zu verkaufen. Eine Zusammenlegung der Gasnetze würde den Wert mindern. Außerdem wird vermutet, das RWE die Verhandlungen über den Zusammenschluss dem späteren Käufer überlassen will.

Die Behörde sieht bereits einige Erfolge im Kampf gegen Wettbewerbsbeschränkungen. So habe sich die Zahl der Netze für L-Gas seit 2006 von 15 auf jetzt fünf verringert. Technisch sei ein einheitliches Netz durchaus möglich.

Auch bei dem aus Russland und Norwegen stammenden H-Erdgas mit wesentlich höherem Brennwert drängt die Bundesnetzagentur auf ein einheitliches Netz. Von 26 getrennten regionalen Netzen im Jahr 2006 ist die Zahl nach Angaben eines Sprechers der Behörde inzwischen auf neun geschrumpft. Es gebe aber technische Probleme, die gegen eine schnelle Vereinheitlichung sprechen.

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