ZVEI-Präsident Edward Krubasik kritisiert tarifliche Verbindung von Elektro- und Autoindustrie
„Wir dürfen Verhandlungen um den Standort nicht ausweichen“

Die inländische Investitionsschwäche hat ihre Ursache nach Ansicht des seit Ende Juni amtierenden Präsidenten des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Edward G. Krubasik, auch in den knappen Mitteln der Staatskassen.

DÜSSELDORF. „Die Öffentlichen Haushalte sind durch die Konsumausgaben, also Sozialausgaben und Transfers, so überfordert, dass für die nötigen Investitionen nicht viel bleibt“, sagte der ZVEI-Präsident, im Hauptberuf Mitglied im Siemens-Zentralvorstand, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Deshalb haben wir bei der Investitionsquote der Öffentlichen Hand den historisch niedrigsten Stand seit 1960.“ So sind im für die Elektroindustrie wichtigen Bahnbereich in den letzten Monaten kaum Aufträge vergeben worden. Bis 2007 sieht die Planung einen Rückgang von 35 Prozent vor.

„Das Wachstum kommt nach wie vor überwiegend aus dem Ausland“, sagte Krubasik. Selbst die Inlands-Nachfrage sei häufig durch den indirekten Export bestimmt: Die Elektroindustrie als zweitgrößte deutsche Industriebranche liefert viel an Maschinenbauer, die dann ihrerseits exportieren. „Bei den Investitionsgütern kam das Wachstum von fünf Prozent bis Mitte dieses Jahres ausschließlich aus dem Ausland“, sagte der ZVEI-Präsident.

Die Binnennachfrage ließe sich nach Ansicht von Krubasik auch dadurch fördern, dass man die Öffentliche Hand durch Privatisierung bisher öffentlicher Aufgaben entlaste. Allerdings empfiehlt er, zunächst mit kleineren Projekten Erfahrungen zu sammeln. In der Vergangenheit waren private Großprojekte wie Toll-Collect oder der Hochgeschwindigkeitsverkehr häufig von Pannen geplagt.

Die derzeit viel diskutierte Verlagerung von Fertigung ins kostengünstigere Ausland sieht der ZVEI-Präsident eher positiv: „Viele Produkte wären zu deutschen Kosten, ohne Beimischung der Zulieferung aus dem Ausland, nicht mehr absetzbar.“ Die USA haben nach Ansicht von Krubasik einen positiven Effekt aus solchen Verlagerungen gezogen. Dort landeten die freigesetzten Arbeitskräfte oft in höherwertigen Jobs und in moderneren Industrien. Motivation zu mehr Mobilität wäre für Krubasik das positivste Ergebnis von Hartz IV.

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