Zwei deutsche Standorte
Aker verkauft seine 17 Werften

Der norwegische Aker-Konzern hat vollkommen überraschend angekündigt, seine Schiffbausparte Aker Yards zu verkaufen. Das hat auch Auswirkungen auf Deutschland.

HB OSLO/WISMAR. Die Entscheidung zum Verkauf teilte Aker am Mittwoch mit. Das Unternehmen begründete die Verkaufsabsicht seiner 40,1 Prozent Anteile am größten europäischen Schiffbaukonzern mit der Absicht, Mittel zur Erschließung „neuer Geschäftsfelder“ zu beschaffen.

Der IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat von Aker Yards Germany, Rüdiger Klein, zeigte sich von der Entscheidung überrascht: „In der vergangenen Woche hatten wir eine Sitzung mit Vertretern aus Norwegen, da war von einem Verkauf noch keine Rede.“ Es sei ein ungeheuerlicher Vorgang, dass der Aufsichtsrat nicht im Vorfeld informiert worden sei. „Das ist ein klarer Verstoß gegen das Prinzip der Mitbestimmung.“ In Oslo warnten Betriebsräte einen „Ausverkauf an ausländische Investoren, die den Konzern auseinander reißen“.

Auf den beiden deutschen Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde mit zusammen 2 300 Beschäftigten sind die Auftragsbücher bis 2010 gefüllt. Klein sagte, er glaube nicht, dass sich in Europa ein Schiffbaukonzern findet, der die Aker-Schiffbausparte übernehmen und die notwendige Umstrukturierung der deutschen Werften vom Container- zum Spezialschiffbau durchsetzen könne. So winkte dann auch Thyssen-Krupp kurz nach Bekanntwerden der Verkaufspläne ab. Stattdessen könnten Finanzinvestoren Interesse zeigen. „Und was dabei herauskommt, wissen wir ja: Der Kredit für den Kaufpreis wird auf das Unternehmen abgewälzt, es gibt keine Investitionen mehr und das Unternehmen wird ausgeplündert, bis nichts mehr da ist.“

Der Sprecher von Aker Yards Germany, Matthias Trott, erklärte, an der Unternehmensstruktur der Schiffbaugruppe ändere sich durch den Verkauf nichts. „Ich gehe davon aus, dass ein neuer Investor wie der bisherige Hauptaktionär Aker dazu beitragen wird, die Schiffbaugruppe in gutem Fahrwasser zu halten.“

Nach Osloer Medienangaben erwartet der Aker-Konzern Einnahmen von 5 Mrd. Kronen (616 Mill. Euro). Weltweit betreibt das norwegische Unternehmen 17 Werften mit 20 000 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr setzte die Tochter 25,9 Mrd. Kronen (3,2 Mrd. Euro) um und erzielte einen Nettogewinn von 1 Mrd. Kronen.

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