Zwei Jahre Konzernchef
Klaus Kleinfeld, der Fremde bei Siemens

Seit 20 Jahren ist Klaus Kleinfeld bei Siemens, seit zwei Jahren steht er an der Spitze. Seine Bilanz fällt wirtschaftlich gesehen überaus positiv aus: Er hat den lahmenden Technologieriesen wieder aufgeppelt. Dennoch blieb der jugendlich wirkende Manager stets ein Fremdling im Traditionskonzern – er musste es bleiben. Die Geschichte eines großen Missverständnisses.

MÜNCHEN. „Always Xcellent“ lautet die Botschaft, eingemeißelt für die Ewigkeit wurde sie in eine hellbraune Marmorplatte. Von Ferne erinnert das gute Stück an die Tafeln, die einst römische Imperatoren hinterließen. Sie passt damit so gar nicht zu der schlichten Möblierung im Entrée der Siemens-Fabrik von Forchheim – so wie manches nicht mehr passt bei der Firma, die einst eine von Deutschlands stolzesten Industrieadressen war: Siemens.

Hier in Oberfranken, wo eines der erfolgreichsten Werke des Konzerns steht und Computertomographen für den Weltmarkt gebaut werden, hier hat Klaus Kleinfeld sein Andenken hinterlassen. Es stammt aus dem Jahr MMI: Damals brach Kleinfeld, als Sanierer unter Bereichschef Erich Reinhardt in Forchheim erfolgreich, gen Amerika auf. Im Auftrag von Siemenschef Heinrich von Pierer sollte Kleinfeld das US-Geschäft sanieren. Nun ist die Platte von Forchheim, dieser eigenartige Fremdkörper, so etwas wie Kleinfelds ganz persönliche Hinterlassenschaft.

Klaus Kleinfeld und Siemens – das mutet an wie ein einziges großes Missverständnis. Zweifellos hat der am 6. November 1957 in Bremen geborene Diplomkaufmann dem Traditionskonzern neuen Schwung verpasst. Zweifellos hat er viele der Sanierungsaufgaben, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hatte, mit Elan abgearbeitet. Dennoch drängt sich der Eindruck auf, dass Kleinfeld in der großen Siemens-Familie stets ein Fremdling geblieben ist. Um kurz nach 17 Uhr gab Siemens bekannt, dass Klaus Kleinfeld für eine Vertragsverlängerung nicht mehr zur Verfügung steht. Am 30. September ist sein letzter Tag bei Siemens – allerspätestens.

Am Morgen dieses 25. April 2007 stehen die Türen des Vorstandssekretariats im vierten Stock der Siemenszentrale sperrangelweit offen. Es ist der Raum, der die Büros von Noch-Aufsichtsratschef von Pierer und Noch-Vorstandschef Kleinfeld trennt.

Es ist ein schönes Bild: Als solle frischer Frühlingswind in die Zentrale strömen, ins Herz des Konzerns. Derweil versammeln sich unten auf dem Wittelsbacherplatz, wo „Churfürst“ Max Emmanuel auf dem Streitross thront, die Kamerateams, um beim Showdown, der sich hinter den rosa Mauern abspielen soll, dabei zu sein.

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