Zweifel an der Strategie
Arabischer Großaktionär plant den Ausstieg

Neun Prozent hält Chadim al-Kubaissi am Daimler-Konzern. Rund zwei Milliarden Euro hat der größte Einzelaktionär des Autobauers damit bislang verdient. Nun drängen ihn Zweifel an der Strategie der Schwaben zum Ausstieg.
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FrankfurtDie Hilfe kam nicht nur in großer Not, sie war auch mit einem großen Versprechen verbunden: „Wir haben den festen Vorsatz, diesen Konzern zu unterstützen“, sagte der Chef von Abu Dhabis staatlich kontrollierter Investmentgesellschaft Aabar, Chadim al-Kubaissi, im März 2009. Gerade hatte er den Einstieg mit zwei Milliarden Euro bei Daimler angekündigt und dafür neun Prozent am Stuttgarter Autokonzern erworben. Daimler litt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise unter einer erheblichen Absatz- und Liquiditätskrise. Al-Kubaissi bekundete damals strategisches Interesse und versicherte, das Engagement sei auf Dauer angelegt: „Langfristig heißt langfristig.“

Doch seit Donnerstag ist klar, was die Araber unter langfristig verstehen. Nach nur gut drei Jahren will der einstige Helfer jetzt Kasse machen. Der Staatsfonds plane den Ausstieg bei Daimler, berichtete am Donnerstag das „Manager-Magazin“. Finanz- und Unternehmenskreise bestätigten dem Handelsblatt diese Information. Das Emirat habe „das Vertrauen in den Stuttgarter Konzern verloren“, so ein mit der Angelegenheit vertrauter Finanzmanager.

Offenbar glaubt al-Kubaissi nicht mehr daran, dass Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche, wie erst vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung versprochen, die Rendite und den Aktienkurs des Konzerns deutlich steigern kann. Zumindest kurzfristige Erfolge sind nicht zu erwarten. Bei genauerem Hinsehen verblasse „der Glanz des Sterns im Schatten der übermächtigen Wettbewerber“, klagte jüngst auch Ingo Speich, Fondsmanager von Union Investment. Nicht Daimler, sondern „BMW und Audi seien heute im Premiumsegment das „Maß aller Dinge“. „BMW und Audi haben Mercedes-Benz als gefühlten Innovationsführer überholt“, monierte auch Thomas Meier, Fondsmanager bei der Deka Investment.

Für al-Kubaissi hat sich der Deal dennoch bezahlt gemacht. 2009 kaufte er die Anteilsscheine im Zuge einer Kapitalerhöhung für gut 20 Euro pro Stück. Nach dem gestrigen Kursrutsch notiert die Aktie bei 40,80 Euro. Den Gewinn von rund zwei Milliarden Euro muss der Staatsfonds nicht in Deutschland versteuern. Die hiesige Staatskasse geht leer aus.

Für Zetsche ist der geplante Ausstieg der Araber ein heftiger Rückschlag. Als einziger Ankeraktionär bleibt ihm künftig nur noch das Emirat Kuwait mit knapp sieben Prozent. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, wittern kleinere Anteileigner bereits ihre Chance und erwägen, gemeinsam den Druck auf das Daimler-Management zu erhöhen. Es stört sie, dass die Stuttgarter 2011 eine Umsatzrendite von neun Prozent erzielten, derweil Audi und BMW rund zwölf Prozent schafften.

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