"Zweifelhafte Marketingmethoden"
Neue Vorwürfe gegen Ratiopharm

Das Ulmer Pharmakonzern Ratiopharm soll Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr Ärzte bestochen haben, um höhere Verkaufszahlen zu erzielen. Dies hätten Recherchen bei Medizinern ergeben, denen entsprechende Angebote gemacht wurden, berichten der „Stern“ und die ARD-Sendung „Monitor“.

HB BERLIN. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Die Beiträge seien „verzerrte Darstellungen“ bereits bekannter Vorwürfe. Die Ulmer Staatsanwaltschaft will eigenen Angaben zufolge das im Dezember eingestellte Ermittlungsverfahren gegen die Firma wegen Verdachts des Betrugs, der Untreue und Bestechlichkeit nicht wieder aufnehmen.

Ratiopharm soll Ärzten ein Prozent des Apothekenverkaufspreises und pro Verordnung eines Medikaments der Firma fünf Prozent des Mehrumsatzes gezahlt haben, berichtet der „Stern“. Neben den Aussagen der Ärzte belege ein firmeninternes Dokument vom 19. Mai 2005 die Recherchen. Bereits im November hatte der „Stern“ auf die seiner Ansicht nach „zweifelhaften Marketingmethoden“ des Herstellers von Nachahmermedikamenten hingewiesen. Ratiopharm hat damals die Vorwürfe als Einzelfälle zurückgewiesen, die bereits abgestellt seien. Nun teilte die Firma mit, dass sie die als Beleg herangezogenen Einzelaussagen zwar für „persönliche Einschätzungen“ halte, alle Vorfälle aber prüfen werde.

Auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) soll sich laut „Monitor“ für die Sache interessieren. In einem Brief an den Präsidenten der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, soll sie die Bevorzugung von Medikamenten „dieses Unternehmens“ als Umstand kritisieren, der „nicht tatenlos hingenommen werden kann“.

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hat eine Stichprobe bei niedergelassenen Ärzten gemacht und festgestellt, dass Ratiopharm bei den Ärzten, die angeblich Sonderzahlungen erhielten, einen Anteil von rund 60 Prozent hat. Der durchschnittliche Marktanteil von Ratiopharm liege jedoch bei 18 Prozent, teilte die KKH mit. Sie fordere die Staatsanwaltschaft auf, die Ermittlungen gegen Ratiopharm wieder aufzunehmen, sagte der Vorstandsvorsitzende Ingo Kailuweit.

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