Zweiseitiges Schreiben zur Korruptionsaffäre bei VW
Dokumentation: Brief Pischetsrieders an die Belegschaft

In der VW-Korruptionsaffäre hat sich Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Montag in einem Brief erstmals direkt an die Mitarbeiter gewandt. Handelsblatt.com zitiert das zweiseitige Schreiben in Auszügen:

„Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

die vergangenen Tage waren von sich überschlagenden Spekulationen in den Medien geprägt. Eine konkrete Stellungnahme ist für mich schwierig, weil immer wieder neue Gerüchte, Behauptungen oder Fakten auftauchen, die wir ohne eine detaillierte Überprüfung nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin beurteilen können. Zudem möchte ich nicht in die staatsanwaltlichen Ermittlungen und die Untersuchungen von KPMG eingreifen.

(...) Die Staatsanwaltschaft ermittelt zu einem Geflecht von Tarnfirmen, das die Mitarbeiter Dr. Helmuth Schuster und Klaus- Joachim Gebauer mutmaßlich aufgebaut haben sollen, um sich zu bereichern. Dabei ging es um Geschäfte in Indien und Angola und auch in der Tschechischen Republik. Darauf konzentrieren sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Zweitens die Vorwürfe gegen Herrn Volkert: Er hat inzwischen bestätigt, dass er an einer dieser Firmen beteiligt war. Drittens geht es um Spesengelder, die einer der beiden erwähnten Mitarbeiter möglicherweise für Dinge eingesetzt hat, die wir nicht dulden können.

Herr Gebauer hatte im Personalwesen eine ganz besondere Vertrauensstellung. Um dem Betriebsrat die notwendige und gesetzlich vorgesehene Freiheit bei seiner Arbeit zu geben, kam ihm die Aufgabe zu, auf Vertrauensbasis Veranstaltungen und Reisen des Betriebsrates zu organisieren. Bei seinen Abrechnungen gibt es zweifelhafte Positionen, insbesondere selbst ausgestellte Belege, die die Staatsanwaltschaft überprüfen wird. Zudem gibt es Vorwürfe, dass er auch sachfremde Vorgänge organisiert und abgerechnet haben soll. (...)

Die Schlagzeilen, denen wir und unser Unternehmen seit nunmehr zwei Wochen ausgesetzt sind, haben ein unerträgliches Ausmaß erreicht. Sie beschädigen das Image unseres Unternehmens, unserer Produkte und unserer Mitarbeiter. Ich kann Ihnen versichern, dass wir alles daran setzen, so schnell wie möglich und lückenlos für Aufklärung zu sorgen. Soweit Verfehlungen aufgedeckt werden und sie Nachteile für das Unternehmen gebracht haben oder strafrechtliche Relevanz besitzen, haben die betroffenen Personen die notwendigen persönlichen Konsequenzen zu ziehen, unabhängig von der Person oder ihrer Position. Gleichzeitig sehe ich es ebenfalls als meine Aufgabe, Mitarbeiter des Konzerns zu schützen, die zu Unrecht verdächtigt werden oder in die Schlagzeilen geraten. Ich werde nicht zulassen, dass das Fehlverhalten Einzelner die Loyalität von 340 000 Volkswagen-Beschäftigten in Frage stellt, die täglich weltweit für den Konzern und unsere Marken ihr Bestes geben. (...)

Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter, Volkswagen befindet sich in diesen Tagen in einer für uns alle schwierigen Situation. Über die Schlagzeilen, die schwer zu ertragen sind, dürfen wir unser Tagesgeschäft, nämlich für unsere Kunden erstklassige Autos zu bauen, keinesfalls aus dem Auge verlieren. Der harte Wettbewerb auf den Märkten verlangt jetzt unsere volle Konzentration darauf.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Pischetsrieder
Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG“

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