Zweite Runde im Bieterwettbewerb
Chrysler-Zukunft bald geklärt

Der Autokonzern Daimler-Chrysler wird im laufenden Verkaufsprozess für seine US-Sparte schneller als gedacht Farbe bekennen. Schon nächste Woche soll der Bieterwettbewerb in eine zweite Runde gehen. Das wird den Kreis der Bewerber auf eins bis zwei Kandidaten einengen.

FRANKFURT. „Die Transaktion könnte bis Ende Mai gelaufen sein“, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Daimler plant laut Branchenkreisen, den Bieterwettbewerb für Chrysler schon nächste Woche in eine zweite Runde gehen zu lassen. Die Interessenten müssten dann ein neues, verbindliches Angebot für die defizitäre US-Sparte abgeben, danach werde Daimler auf dieser Grundlage den Bieterkreis auf ein bis zwei Kandidaten einengen, hieß es. Ein Daimler-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab und betonte, dass alle Optionen für Chrysler geprüft würden. Chrysler-Chef Tom LaSorda hatte jüngst betont, dass ein Verbleib der US-Sparte im Konzern weiter möglich sei.

Der Bieterprozess um Chrysler geht endgültig in seine heiße Phase. Im Rennen um die US-Sparte der Stuttgarter sind der Finanzinvestor Cerberus, ein Investoren-Konsortium um Blackstone, der kanadische Zulieferer Magna, der ebenfalls mit einem Finanzinvestor zusammenarbeitet, sowie der US-Milliardär Kirk Kerkorian, dem Unternehmenskreise aber keine Chancen einräumen. Auch die US-Autogewerkschaft UAW erwägt ein Gebot.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte am gestrigen Dienstag mit den führenden Gewerkschaftsvertretern, darunter UAW-Chef Ron Gettelfinger und Konzernbetriebsratschef Erich Klemm, über Chrysler gesprochen. Die Gewerkschaftsvertreter hatten sich gegen einen Verkauf ausgesprochen. Sollte Daimler verkaufen, dann wenigstens an einen autoaffinen Käufer. „Am liebsten wäre uns, wenn Daimler Chrysler behält“, sagte der kanadische Gewerkschaftsvertreter Jerry Dias. „Aber auch mit einem Verkauf an Magna könnten wir leben.“

Der Aufsichtsrat des Autokonzerns kommt am Donnerstag zu einer routinemäßigen Sitzung zusammen, auf der Chrysler allerdings nicht auf der Tagesordnung steht. Es sei noch zu früh, als dass dem Kontrollgremium bereits ein Deal präsentiert werden könnte, heißt es in Unternehmenskreisen. Viele Fragen, wie die Übernahme der Milliardenlasten durch Chryslers Gesundheits- und Pensionsverpflichtungen seien nicht abschließend geklärt. Daimler-Vorstand Rüdiger Grube hatte in den vergangenen Wochen in New York erste Gespräche mit potenziellen Käufern geführt.

Mehrere Bewerber für Chrysler kämpfen bereits mit offenem Visier um den Autobauer. Kerkorian hatte Anfang April als Erster sein Interesse öffentlich gemacht und über seine Investmentfirma Tracinda rund 4,5 Mrd. Dollar für Chrysler geboten. Magna legte nur gut eine Woche später nach und bekundete ebenfalls Interesse an Daimlers US-Sparte. Zetsche hatte auf der Hauptversammlung in Berlin Anfang April erstmals Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren eingeräumt.

Daimler wird bei einem Verkauf voraussichtlich einen Minderheitsanteil an Chrysler behalten. Der Autokonzern wolle sich auf diese Weise ein Mitspracherecht sichern, und die meisten Interessenten hätten die Stuttgarter zudem gerne weiter im Boot, da Chrysler in den nächsten Jahren noch auf die industrielle Unterstützung von Daimler angewiesen sein werde. Im laufenden Bieterprozess um Chrysler zeichnet sich damit eine Ausgliederung der Sparte aus dem Konzern und der anschließende Verkauf einer Mehrheit als wahrscheinlichstes Szenario ab. Zetsche hatte Mitte Februar am Chrysler-Stammsitz angekündigt, zusätzlich zu einem neuen Sparprogramm alle Optionen für Chrysler zu prüfen, was auch eine Partnerschaft oder einen Verkauf einschließt. Der neue Konzern ohne Chrysler wird laut Unternehmenskreisen voraussichtlich den Namen Daimler Group tragen.

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