Zweiter Tag im Mannesmann-Prozess vor dem BGH
Ackermann muss bangen

Der Bundesgerichtshof schaut sich die Managerprämien, die im Anschluss an die Mannesmann-Übernahme durch Vodafone flossen, nochmal sehr genau an. Sollte das Verfahren neu aufgerollt werden, würde das den mitangeklagten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am härtesten treffen. Er ist als einziger noch in Amt und Würden.

HB/brc/ben/ke KARLSRUHE. „Wir werden sehr genau überlegen müssen, ob das vielleicht gar nicht Vergütungen waren, sondern Geschenke“, sagte der Vorsitzende Richter Klaus Tolksdorf am Freitag in Karlsruhe zu den an Mannesmann-Manager gezahlten Summen. Berichterstatter Gerhard von Lienen ergänzte, er sehe „das Problem“, dass die Prämien womöglich nur unter dem Vorwand der Leistungsanerkennung flossen. Ackermanns Verteidigung warf er vor, diese Unklarheit nicht beseitigt zu haben: „In dieser Richtung habe ich bislang nichts gehört.“

Wenn es sich bei den Millionensummen um Geschenke gehandelt habe, hätten die Angeklagten womöglich doch Vermögen veruntreut - ein Vorwurf, von dem sie das Düsseldorfer Landgericht im Sommer 2004 freigesprochen hatte. Sollte es zu einer Revision kommen, ist dies vor allem für Ackermann entscheidend. Würde die vorgelagerte Instanz in einem neuen Prozess die Freisprüche kippen, dürfte der Schweizer als Vorstandssprecher von Deutschlands größtem Geldhaus kaum noch zu halten sein.

Bereits am Vortag hatten Vertreter des Senats zentrale Grüne für die Freisprüche der sechs Angeklagten - unter ihnen Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann - in Zweifel gezogen. Berichterstatter Lienen hatte etwa angedeutet, der Banker habe als Mitglied des Mannesmann-Aufsichtsratspräsidiums womöglich um die Fragwürdigkeit seines Tuns gewusst, als er eine Prämie von 3 Millionen Euro an den damaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk billigte.

Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen rund 57 Millionen Euro an Prämien und Abfindungen, die bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 an Führungskräfte und Manager des Düsseldorfer Traditionskonzerns flossen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein, das Mitte 2004 in einem Prozess mündete. Sechs Angeklagte mussten sich wegen Untreue oder Beihilfe zur Untreue vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Der Prozess endete jedoch mit Freisprüchen.

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