Zweiter Vioxx-Prozess in den USA
Freispruch für US-Pharmakonzern Merck

Der US-Pharmakonzern Merck & Co wurde am Donnerstag in den USA im zweiten Prozess um das vom Markt genommene Schmerzmittel Vioxx freigesprochen. Die Aussichten für das Unternehmen haben sich dadurch nach Experten-Aussagen verbessert. Die Anleger reagierten mit Zukäufen der Merck-Aktie.

HB ATLANTIC CITY. Die Geschworenen sprachen den Pharmakonzern vom Vorwurf des Betrugs an den Verbrauchern frei. Die Jury befand, dass der Pharmakonzern die Ärzte ausreichend vor den möglichen Gesundheitsrisiken des umstrittenen Schmerzmittels gewarnt habe. Bei der Vermarktung des Medikaments habe Merck & Co die Verbraucher nicht getäuscht. In dem sieben Wochen währenden Verfahren hatten die Anwälte des 60-jährigen Post-Mitarbeiters Frederick „Mike“ Humeston den Konzern beschuldigt, sein Herzanfall sei durch Vioxx verursacht worden. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte der Leiter der Merck-Rechtsabteilung, Kenneth Frazier.

„Es ist ein großer Sieg für Merck“, sagte der Chef der Vermögensverwaltungsgesellschaft Riley Asset Management, Ned Riley. „Dies könnte für Vioxx den Weg öffnen, unter einem anderen Markenname auf den Markt zurückzukommen“, fügte er hinzu. Im Jahr 2003 setzte Merck mit dem Schmerzmittel mehr als 2,5 Mrd. Dollar um.

Der Kurs des Merck-Papiers schnellte nach der Nachricht an der Wall Street zeitweise um sieben Prozent in die Höhe. Im weiteren Verlauf lag die Aktie noch über vier Prozent im Plus bei 29,70 Dollar. Von dem weithin beachteten Prozess hatten sich viele Beobachter Aufschlüsse darüber erhofft, in welche Richtung sich weitere Verfahren um Vioxx entwickeln könnten. Derzeit ist Merck mit mehr als 6500 Klagen von Vioxx-Nutzern konfrontiert, die behaupten, ihre Gesundheit sei durch das Mittel beeinträchtigt worden.

Im ersten Prozess um das Arthritis-Medikament Vioxx hatte ein Gericht in Texas im August den Konzern die Mitschuld am Tod eines Patienten gegeben und das Unternehmen zu einer Zahlung von insgesamt 253 Mill. Dollar verurteilt. Der US-Konzern hatte Berufung gegen die Entscheidung angekündigt. „Es wird mehrere Vioxx-Prozesse geben, und wir werden bei jedem einzelnen Verfahren in den kommenden Jahren hart kämpfen“, sagte Merck-Anwalt Kenneth Frazier. Das Unternehmen legte 675 Mill. Dollar zur Finanzierung der Vioxx-Prozesse zur Seite.

Merck wird beschuldigt, über Jahre hinweg zur Sicherung seiner Gewinne Beweise dafür zurückgehalten zu haben, dass das Mittel das Risiko für Herzanfälle erhöht. Merck behauptete hingegen, es habe das Medikament vergangenes Jahr sofort vom Markt genommen, als eindeutige Daten gezeigt hätten, dass das Präparat bei längerer Einnahme das Risiko für Herz- und Schlaganfälle verdoppelt.

Anfang Oktober hatten auch vier deutsche Vioxx-Patienten Klage gegen Merck eingereicht. Die Zahl der Vioxx-Geschädigten wird in Deutschland auf 7000 geschätzt. Merck & Co. aus Whitehouse Station (New Jersey) hat mit der Darmstädter Merck KGaA gemeinsame Wurzeln. Rechtlich und wirtschaftlich sind sie aber komplett eigenständig.

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