Zwischen Streetscooter und Tesla Semi

Daimler liefert ersten Elektro-Lastwagen aus

Er besetzt die Lücke zwischen dem Streetscooter der Post und dem Tesla Semi: Daimler hat den ersten Elektro-Lastwagen an Kunden ausgeliefert. Der Leichtbau-Lkw soll vor allem in Asien zum Einsatz kommen.
Update: 14.12.2017 - 16:22 Uhr 1 Kommentar
Der Elektro-Truck ist eine Ko-Entwicklung von Daimler und Mitsubishi. Quelle: Reuters
Daimler Fuso eCanter

Der Elektro-Truck ist eine Ko-Entwicklung von Daimler und Mitsubishi.

(Foto: Reuters)

Berlin Daimler hat seine ersten elektrischen Leicht-Lkws aus Serienproduktion am Donnerstag offiziell den ersten Kunden in Europa übergeben. Künftig werden die Logistik-Unternehmen Dachser, Schenker, Rhenus sowie DHL die „Fuso eCanter“ vor allem im innerstädtischen Transport einsetzen.

Auf der letzten Meile und im urbanen Umfeld sei der eCanter als nachhaltige Alternative gedacht, teilte der Stuttgarter Konzern bei der Schlüsselübergabe in Berlin mit. In die Großserienproduktion will Daimler Trucks 2019 einsteigen.

Daimler Trucks ist vor allem in Asien mit seiner Marke Fuso bekannt und machte in der Sparte 2016 einen Umsatz von sechs Milliarden Euro. Bislang waren die Fahrzeuge bereits mit Hybrid-Antrieb verfügbar. Am der elektrischen Varianten arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits seit sieben Jahren. Daimler könne damit bereits auf Erfahrungen zurückgreifen, sagte Marc Llistosella, Chef von Daimler Trucks Asia.

Für den europäischen und den US-Markt werden alle eCanter-Fahrzeuge in Tramagal, Portugal produziert. In den USA fahren die Fuso eCanter bereits für das Logistikunternehmen UPS, in Japan werden sie von der Supermarkt-Kette Seven-Eleven sowie von Yamato Transport eingesetzt.

Die Lkws werden mit sechs Batterien betrieben und kommen auf eine Reichweite von rund 100 Kilometer bei einer maximalen Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde. Sie sollen im Einsatz nicht nur leise und ohne CO2-Emission fahren, sondern auch die Betriebskosten deutlich senken. Die Produktionskosten seien jedoch im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor deutlich höher, hieß es. Einen Preis nannte Daimler zunächst nicht. Die ersten Kunden leasen die Fahrzeuge zu einer festen Rate in nicht genannter Höhe.

Der Truck gehöre nicht unbedingt zu den beliebtesten Fahrzeugen in einer urbanen Umgebung, sagte Llistosella. Er sei aber unverzichtbarer Bestandteil des Warenstromverkehrs. Ein Lkw mit Elektroantrieb könne dabei im Vergleich mit dem Verbrennungsmotor über die Betriebszeit 16 Tonnen an CO2-Ausstoß einsparen. „Dafür bräuchte man den Tiergarten in Berlin in sechsfacher Ausfertigung, um das zu absorbieren.“ Mit dem neuen Serien-Lkw wolle das Unternehmen einen großen Schritt nach vorn machen.

In der Logistik-Branche gibt es vor allem in den großen Städten ein großes Interesse an alternativen Transport-Mitteln. Alle vier Start-Kunden erhoffen sich durch den Elektro-Transport den Ausstoß von Emissionen zu reduzieren. So hat sich DHL zum Beispiel zum Ziel gesetzt, alle logistikbezogenen Emissionen bis 2050 auf null zu reduzieren. Auch die Schenker AG setzt auf grüne Logistik. Und Rhenus erhofft sich vor allem für kurze Entfernungen vom Zentrallager in Hoppegarten bis zu den Kunden in Berlin einen großen ökologischen Vorteil durch die eCanter.

Wegen fehlender Angebote der Automobilhersteller war zuletzt die Deutsche Post selbst in die Produktion einer E-Flotte eingestiegen und verkauft bereits Fahrzeuge an interessierte Kunden. Unterdessen stellte auch Mercedes-Benz vor rund vier Wochen seine Transporter-Flotte auf E-Mobilität um. Tesla, der große Konkurrent aus den USA, hatte erst jüngst einen eigenen E-Lastwagen angekündigt, der selbst mit einer Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von 800 Kilometern erreichen soll. 2019 soll die Produktion beginnen.

Dass es mittelfristig zu Engpässen bei den Komponenten wie Kobalt kommen könne, die für Batterien benötigt werden, schloss Llistosella nicht aus. Es werde aber schon bald neue Technologien geben, die Batterien mit höherer Dichte und besserer Energieausnutzung möglich machen würden. „Der eCanter 2.0 wird eine von Daimler gefertigte Achse mit optimierter Energieübertragung haben“, versprach der Manager.

Die Zeit ist reif für einen Elektro-Lkw – zumindest ein bisschen
Maue Aussichten beim Lkw
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Elektroautos sollen die Basis für den Verkehr der Zukunft bilden – so viel ist klar. Ob der Strom dabei aus einer Batterie oder einer Brennstoffzelle kommt, ist zweitrangig. Hauptsache CO2-neutral. Das Problem: Autos stehen nur für einen Teil des Straßenverkehrs. Während bereits einige wenige Elektro-Motorräder und -Roller unterwegs sind, sieht es an einer anderen Front bislang eher mau aus: bei den Lkw.

Mercedes-Benz eTruck
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Mit dem Elektro-Lastwagen zeigte Daimler im Vorfeld der Nutzfahrzeug-IAA, wie man sich einen Elektro-Truck vorstellt – und das in einer seriennahen Form.

Bahn frei für die Elektrifizierung
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„Bislang war der Einsatz von Elektroantrieben im Lkw extrem limitiert. Mittlerweile entwickeln sich Kosten, Leistung und Ladedauer so rasant weiter, dass wir für den Verteilerverkehr jetzt eine Trendwende sehen: Die Zeit ist reif für den Elektro-Lkw“, sagt Daimler-Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard. „Mit dem Mercedes-Benz Urban eTruck elektrifizieren wir jetzt den schweren Verteilerverkehr bis 26 Tonnen.“ Zwischenstufen wie Plug-in-Hybride will Bernhard aber auslassen – der Markt für Nutzfahrzeuge unterteile sich klar in die beiden Bereiche Fernverkehr und Verteilerverkehr – für den einen den Diesel, für den anderen der Elektro-Truck. Mischformen wie bei den Pkw-Kollegen gebe es laut Bernhard kaum.

Der Diesel bleibt
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Das Stichwort ist hier Verteilerverkehr: Die Langstrecken-Trucks auf der Autobahn werden also vorerst weiterhin mit Diesel fahren. Hier reichen die Batterien noch nicht aus. Der Urban eTruck bietet bei einer mit dem Diesel vergleichbaren Nutzlast eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern bei voller Nutzlast – was laut Daimler für den innerstädtischen Transport ausreicht. „In Städten können Elektro-Lkw in naher Zukunft Realität werden“, sagt Bernhard.

Gegen Dreck und Lärm
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Die Herausforderung: Weltweit ziehen immer mehr Menschen in die Stadt, bis 2050 werden laut der UN 70 Prozent der Weltbevölkerung in Großstädten leben – und müssen entsprechend mit Gütern versorgt werden. Zugleich werden aber die Grenzwerte für Luftqualität und Lärmpegel immer strenger, die Einfahrrestriktionen immer größer. „Metropolen wie London oder Paris erwägen inzwischen, künftig Verbrennungsmotoren aus den Stadtzentren zu verbannen“, so Bernhard. „Das bedeutet: in Zukunft werden dort vollelektrische Lkw die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln oder anderen Gütern des täglichen Bedarfs sicherstellen.“ Oder wie Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Trucks hinzufügt: „Dann ist nicht nur der Apfel im Supermarkt bio, sondern auch der Transport dahin.“

Neue Batteriezellen als Durchbruch
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Bis vor Kurzem waren vollelektrische Lastkraftwagen beinahe undenkbar: Die Batterien waren zu groß und zu teuer, die Reichweite viel zu gering. Möglich wird der Elektro-Lkw jetzt durch bessere Batteriezellen: Daimler Trucks erwartet, dass die Kosten für die Batterien eines vollelektrischen Lkw von 1997 bis 2025 um den Faktor 2,5 sinken werden – von 500 Euro/kWh auf 200 Euro/kWh. Gleichzeitig steigt die Leistung in diesem Zeitraum um den gleichen Faktor von 80 Wh/kg auf 200 Wh/kg.

Neuer Antrieb, neue Achse
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Basis für den Urban eTruck bildet ein schwerer dreiachsiger Verteiler-Lkw von Mercedes. Bei der Karosserie ist der eTruck kaum von einem Diesel-Lkw zu unterscheiden – wenn der Aufbau montiert ist. Denn ohne die Transportbox wird das neue Antriebskonzept sichtbar. An die Stelle des konventionellen Antriebsstrangs tritt eine elektrisch angetriebene Hinterachse mit Elektromotoren unmittelbar neben den Radnaben. Die neue Achse wurde abgeleitet aus der E-Achse des Mercedes-Benz Citaro Hybrid Busses.

  • dpa
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1 Kommentare zu "Zwischen Streetscooter und Tesla Semi: Daimler liefert ersten Elektro-Lastwagen aus"

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  • GRATULATION AN DAIMLER!
    Schön, dass auch eLKWs verkauft werden und auch deutlich mehr LKWs insgesamt!

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