Zwischenbilanz
EADS macht Minus

Die Lieferverzögerungen beim doppelstöckigen Airbus A380 haben den Mutterkonzern EADS im dritten Quartal in die Verlustzone gedrängt. Es ist nicht die einzige schlechte Nachricht: Ein Großkunde ist abgesprungen. Damit verschlimmert sich die Lage bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern weiter. Besonders der Standort Hamburg muss bangen.

HB/ebe/fas MÜNCHEN. Von Juli bis September sei ein operativer Verlust von 239 Mill. Euro angefallen, teilte EADS am Mittwoch mit. Vor einem Jahr hatte EADS noch einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 559 Mill. Euro verbucht. Unterm Strich steht dank steuerlicher Effekte nur ein Minus von 195 Mill. Euro nach einem Plus von 279 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum.

Nach neun Monaten belief sich das Ebit auf 1,4 Mrd. Euro nach 2,1 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Damit lag EADS deutlich unter den Prognosen der Analysten, die im Durchschnitt fast 2 Mrd. Euro erwartet hatten. Netto ging der Gewinn in den ersten neun Monaten von 1,3 auf 848 Mill. Euro zurück. Darin enthalten sind Belastungen von 1 Mrd. Euro aus dem A380-Programm, die vollständig noch im dritten Quartal verbucht wurden.

Eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gibt EADS weiter nicht. Der Konzern hatte diese Anfang Oktober wegen der mittlerweile um zwei Jahre verzögerten Auslieferung des A380 zurückgenommen. Damit ist nach wie vor unbekannt, wie hoch die Sonderbelastungen insgesamt ausfallen werden.

Für die ersten neun Monate nannte das Unternehmen einen Umsatz von 27,5 Mrd. Euro, was deutlich über den 23,5 Mrd. Euro aus dem Vorjahreszeitraum liegt und auch die Analystenerwartungen übertroffen hat. Für das Gesamtjahr 2006 hat der Luft- und Raumfahrtkonzern seine Umsatzprognose bekräftigt. Erwartet werden deutlich mehr als 37 Mrd. Euro nach 34,2 Mrd. Euro in 2005. 430 Flugzeuge sollen ausgeliefert werden. Verkaufsschlager und Gewinnbringer ist die mittelgroße A320-Modellfamilie.

Fedex storniert Auftrag

Dagegen hat das A380-Programm und damit der gesamte Konzern einen weiteren herben Dämpfer bekommen. Der US-Logistikkonzern Fedex hat am Dienstag als erster wichtiger A380-Kunde seine 2,5 Mrd. Euro schwere Bestellung von 10 Großraum-Cargojets storniert und damit das gesamte Frachterprogramm des Riesen-Airbus in Frage gestellt. Fedex begründete den Schritt mit den Lieferverzögerungen. „Der Luftfrachtmarkt wächst, und wir brauchen die Flugzeuge“, sagte ein Konzernsprecher. Die Express-Sparte des Logistikriesen aus Memphis, Tennessee, beauftragte umgehend den Airbus-Rivalen Boeing mit dem Bau von 15 Frachtflugzeugen des zweistrahligen Langstreckenjets 777. Inklusive 15 zusätzlicher Optionen hat der Fedex-Auftrag einen Wert von 3,5 Mrd. Dollar.

Auch der zweite US-Logistikriese United Parcel Service (UPS) teilte am Dienstag mit, dass das Unternehmen die Bestellung von 10 A380 derzeit überprüfe. „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagte ein UPS-Sprecher.

Branchenbeobachter sehen das Airbus-Frachtprogramm, dessen Entwicklung rund 800 Mill. Dollar zusätzlich zur Passagierversion kostet, nun auf der Kippe: „Fedex ist einer der ganz wenigen Konzerne, die mit dem riesigen Frachtvolumen der A380 etwas anfangen können. Wenn jetzt Fedex abspringt, wer soll dann noch A380-Frachter bestellen?“ sagte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

Weil die A380F laut bisherigem Plan in Hamburg ausgeliefert werden soll, wächst insbesondere bei Airbus Deutschland die Angst. Nach langem Streit hatte die Stadt Hamburg eine Verlängerung der Startbahn in Finkenwerder nur mit viel Mühe juristisch durchsetzen können. Begründet wurde der Ausbau der Piste mit dem A380-Frachter. Airbus werde dennoch an dem Programm festhalten, sagte ein Sprecher des Flugzeugbauers: „Wir gehen weiter davon aus, dass das A380 Frachtprogramm ein Erfolg sein wird.“

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