Zwischenbilanz
EADS warnt vor neuen Verzögerungen

EADS leidet immer noch unter den Folgen des Debakels beim Airbus A380 und dem kleineren A350. Entsprechend schlecht fiel die Bilanz fürs erste Halbjahr aus, vergleicht man mit den Zahlen vom Vorjahr. Doch gegenüber dem, was Analysten erwartet hatten, hat sich der Luftfahrt- und Rüstungskonzern gut geschlagen. Doch es tun sich neue Probleme auf.

HB MÜNCHEN/AMSTERDAM. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach im ersten Halbjahr nach Angaben vom Donnerstag um mehr als drei Viertel auf 367 Mill. Euro von 1,654 Mrd. Euro ein. Bei rückläufigen Umsätzen von 18,5 Mrd. Euro – im Vorjahr waren es 19 Mrd. Euro – blieb unter dem Strich gerade noch ein Gewinn von 71 Mill. Euro. In der ersten Jahreshälfte 2006 war es noch gut 1 Mrd. Euro.

Analysten hatten allerdings damit gerechnet, dass EADS gar kein Geld verdient; auch beim Ebit hatten sie dem Konzern nur ein Drittel des nun tatsächlich erzielten Ergebnisses zugetraut. Beim Umsatz hätte es dagegen etwas mehr sein dürfen.

Zum weiteren Geschäftsverlauf äußerte sich EADS ungewöhnlich vorsichtig. Der Konzern bekräftigte die Erwartung, wonach der Umsatz in diesem Jahr um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz fallen und das Ebit auf dem Vorjahresniveau von 399 Mill. Euro liegen werde. Trotz der soliden Entwicklung der Geschäftsbereiche wäre eine Anpassung des Ausblicks angesichts des Risikos bei einigen Programmen allerdings unvorsichtig, warnte EADS. Immerhin erwartet das Unternehmen nun einen positiven freien Mittelzufluss (Free Cash Flow). Grund seien die Aufträge für Airbus auf der Pariser Luftfahrtmesse. Im Mai hatte EADS noch einen negativen Free Cash Flow von bis zu 1 Mrd. Euro prognostiziert.

EADS rechnet allerdings mit einer etwas schlechteren zweiten Jahreshälfte, vor allem wegen höherer Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei neuen Airbus-Modellen. Auch der schwache Dollar dürfte das Unternehmen weiter belasten.

Wo es hakt

Hauptbelastungsfaktoren waren im ersten Halbjahr vor allem die Rückstellungen für das Airbus-Sanierungsprogramm Power 8, Kosten für Neuwentwicklungen – darunter alleine 500 Mill. für den mittelgroßen Langstreckenflieger A350 XWB – und zusätzliche Aufwendungen von 105 Mill. Euro für den Militärhubschrauber NH90. Nach dem Großraum-Jet A380 und dem kleineren Bruder A350 wird offenbar auch der Helikopter verspätet an die Kunden ausgeliefert.

Größere Probleme scheint darüber hinaus der Militärtransporter A400M zu bereiten. Das Programm sei „bedeutenden Risiken hinsichtlich des Gesamtzeitplans“ ausgesetzt, hieß es. Das Verfehlen wichtiger Meilensteine habe sich negativ auf den Konzernumsatz ausgewirkt. „Das erneuerte Management bewertet derzeit den Einfluss auf Auslieferungen und Kosten“, teilte EADS mit.

Deutsche und Franzosen – Hauptanteilseigner bei EADS – hatten sich erst vor wenigen Tagen darauf geeinigt, die lähmenden Doppelspitzen abzuschaffen. Künftig führt der Franzose Louis Gallois mit weit reichenden Befugnissen ausgestattet den Gesamtkonzern. Airbus-Chef wird der bisherige Co-Konzernchef Tom Enders aus Deutschland. Chefkontrolleur wird Daimler-Chrysler-Manager Rüdiger Grube; der Stuttgarter Autobauer ist der größte Anteilseigner auf deutscher Seite.

Um die Probleme bei Airbus zu kompensieren, hatte die Konzernführung Anfang des Jahres das Sanierungsprogramm Power 8 aufgelegt, das unter anderem den Abbau von rund 10 000 Stellen und den Verkauf von Werken vorsieht. Durch Power 8 will EADS alleine in diesem Jahr 300 Mill. Euro sparen.

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