Zwischenbilanz
Quartalszahlen nähren trügerische Hoffnung

Wer später danach fragt, wann Deutschlands Großkonzernen die Trendwende nach der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit gelungen ist, stößt unweigerlich auf das dritte Quartal 2009. Doch die besagten drei Monate nähren gleichzeitig auch Befürchtungen, dass ein neuer Aufschwung nach überstandener Krise ausbleibt.
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DÜSSELDORF. "Die positiven Quartalsberichte großer Unternehmen aus zyklischen Branchen untermauern den Aufwärtstrend", sagt Tammo Greetfeld von Unicredit. Ausgerechnet im dritten Quartal, der saisonal schwächsten Dekade im Jahr, stoppt die Talfahrt der Großkonzerne. Die Umsätze stabilisieren sich, bei den meisten Firmen ziehen sogar die Gewinne wieder an. Kaum ein börsennotiertes Unternehmen verfehlt die Ertragserwartungen der Analysten und Anleger. ´

Längst sind es nicht mehr nur die Banken, die mit ihren Milliardengewinnen die Finanzkrise hinter sich lassen. In weiten Teilen der Industrie richtet sich die Perspektive ebenfalls wieder nach oben. Nach den schweren Einbrüchen im vierten Quartal 2008 und im ersten Halbjahr 2009 erwirtschaften die Unternehmen inzwischen immerhin wieder soviel Umsatz wie im miserablen zweiten Quartal. Das ist beachtlich, denn üblicherweise fällt der direkte Quartalsvergleich angesichts Werksferien und Sommerflaute schlecht aus.

Stagnierende Umsätze reichen vielen Firmen aus, um schwarze Zahlen zu schreiben. So überraschte Daimler mit einem Minigewinn von 56 Mio. Euro, nachdem die weltweite Autokrise im ersten Halbjahr noch einen Riesenverlust von 2,3 Mrd. Euro beschert hatte. Ausschlaggebend für die Trendwende ist ein im Mai begonnenes Sparprogramm. Es reduzierte die Kosten um 3,5 Mrd. Euro. Größter Sparposten ist die Kurzarbeit. Daimler kündigte an, 2010 die Sparanstrengungen sogar noch zu intensivieren.

Der Autobauer steht mit seiner Entwicklung allerdings für einen Trend, der große Zweifel sät, dass die Wende beim Nettogewinn tatsächlich der Beginn eines neuen Aufschwungs ist. Denn so sehr die Stuttgarter vor gut einer Woche mit ihrem Minigewinn überraschten, genauso ernüchterten sie ihre Anleger mit der Einschätzung, dass der weltweite Automobilmarkt weiterhin lahmt. Mehr noch: Die Krise bringt Geschäftspartner in Existenznöte, was wiederum finanzielle Hilfen Daimlers nötig machen dürfte.

"Der Trend geht zwar nach oben, aber wir bleiben weit vom Boomjahr 2007 entfernt", sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Beispiel BASF: Ähnlich wie Daimler sah sich auch Europas größter Chemiekonzern "gezwungen", Eckdaten aus dem Quartalsbericht vorab zu veröffentlichen. Der Grund: Die Zahlen wichen stark von den pessimistischeren Analystenschätzungen ab. Börsennotierte Unternehmen sind gezwungen, sofort die Öffentlichkeit zu informieren, wenn sie Kenntnis über die neue Lage gewinnen.

BASF überraschte mit höheren Umsätzen gegenüber dem traditionell eigentlich stärkeren zweiten Quartal. Wachstumsimpulse identifizierte BASF aus Asien und Teilen Südamerikas. Aber: Gegenüber dem Vorjahr beträgt das Umsatzminus immer noch 19 Prozent. Konzernchef Jürgen Hambrecht spricht deshalb auch nur von einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau und einer Erholung, die "langsam und fragil" verlaufe. "Nach einer rasanten Abwärtsfahrt steigen wir jetzt mühsam aus dem Rezessionstal", sagte Hambrecht am Donnerstag bei Vorlage der endgültigen Quartalszahlen.

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