Zwischenfinanzierung
Schieder ist aus dem Gröbsten raus

Die Einigung über die Zwischenfinanzierung kam in letzter Minute: Die Gläubigerbanken der Schieder-Gruppe wollen Schulden gegen Anteile an Europas größtem Möbelhersteller tauschen. Damit ist das Unternehmen knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt. Die Probleme der Gruppe sind aber noch lange nicht vorbei.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Trotz offenbar abgewendeter Insolvenz kommt die Herforder Schieder-Gruppe noch lange nicht zur Ruhe. Der finanziell angeschlagene Möbelhersteller will sich zunächst eine neue Finanzstruktur geben. Bis Ende Juni möchte das Unternehmen eine „dauerhaft tragfähige Lösung auf der Finanzierungsseite“ finden, gab Schieder am Firmensitz im ostwestfälischen Herford bekannt.

Wegen einer fehlenden Zwischenfinanzierung ist das Unternehmen in den vergangenen Tagen nur ganz knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt. Nach einem Verhandlungsmarathon mit den kreditgebenden Banken konnte erst kurz vor Ablauf der vom Insolvenzgericht gesetzten Frist am Mittwochabend eine Einigung erzielt worden.

Nach Angaben der IG Metall hatte sich vor allem die Deutsche Bank bis zuletzt einer Überbrückungsfinanzierung widersetzt. Ungefähr 400 Schieder-Mitarbeiter demonstrierten deshalb am Mittwoch vor der Zentrale der Bank in Frankfurt.

„Die Deutsche Bank ist nicht das Hauptproblem der Schieder-Gruppe“, sagte gestern der Hamburger Insolvenz-Profi Sven-Holger Undritz dem Handelsblatt. Er wurde vom Detmolder Insolvenzgericht als Gutachter eingeschaltet. Jetzt gehe es darum, die Schieder-Gruppe, zu der mehr als hundert Unternehmen gehörten, langfristig wieder in die Wettbewerbsfähigkeit zu führen. Als nächstes stünden die einzelnen Standorte und die Arbeitsplätze im Fokus, sagte Undritz. Die vorläufige Insolvenz wird nach Einschätzung aus Bankenkreisen vom Gericht zurückgenommen.

Das offizielle Sanierungsgutachten wird bis Ende Mai erwartet. Konzernchef Rolf Demuth bleibt nach der Meinung von Finanzkreisen nur noch übergangsweise im Amt. Diese rechnen zudem mit einem „Debt-Equity-Swap“, das heißt, ein Teil der Gläubiger würde seine Kredite in Gesellschaftsanteile umtauschen. Es geht bei Schieder um Kredite über insgesamt 325 Mill. Euro. Außerdem wird schon vorher mit der Einsetzung eines Restrukturierungsvorstandes gerechnet. Möglicherweise kommt dieser aus dem Hause der Unternehmensberatung Alix Partners. Die Verhandlungen darüber laufen derzeit noch.

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