Zwist um Opel-Zukunft
GM bremst Magna und Merkel aus

Kehrtwende im Ringen um Opel: Der Verwaltungsrat von General Motors (GM) will den deutschen Autohersteller dem Anschein nach unter dem eigenen Konzerndach halten. Merkel und Magna gucken in die Röhre und Union wie SPD fürchten nun eine Situation, in der der Bund keinen Einfluss mehr auf die Zukunft der deutschen Opel-Standorte nehmen kann.

ebe/hz/saf NEW YORK/BERLIN. Das Aufsichtsgremium des Unternehmens aus Detroit, das am Dienstagabend zum dritten Mal in neuer Besetzung zusammentrifft, wolle Opel mit Finanzmitteln aus den USA sowie der Hilfe einiger EU-Staaten sanieren, sagte eine mit den GM-Plänen vertraute Person dem Handelsblatt. Das Gremium werde sich mit der Zukunft von Opel allerdings erst am Mittwoch beschäftigen. Eine Entscheidung solle mit Verweis auf "weitere Prüfnotwendigkeiten" dann allerdings frühestens Anfang Oktober und damit erst nach der deutschen Bundestagswahl gefällt werden. "Es müssen noch zahlreiche Diskussionen und Debatten geführt werden", hieß es in Unternehmenskreisen. GM wollte sich am Montag im Vorfeld der Verwaltungsratssitzung hierzu nicht äußern.

GM würde damit die Pläne der deutschen Regierung durchkreuzen. Kanzlerin Angela Merkel will Opel von der US-Konzernmutter loseisen und über einen Verkauf an den Autozulieferer Magna und seinen russischen Finanzpartner Sberbank eine Rettung inszenieren. Dieser Plan gerät nun außer Reichweite, weil das Magna-Szenario im GM-Verwaltungsrat "kolossal gescheitert" sei, wie es in unternehmensnahen Kreisen heißt. Zum einen löse der befürchtete Transfer von GM-Technologie nach Russland "enorme Störgefühle" in den USA aus. Außerdem beinhalte das Vertragswerk einige weitere Fallstricke, die der Verwaltungsrat nicht akzeptieren könne.

"Wer mit der Kultur der Amerikaner einigermaßen vertraut ist, kann nicht ernsthaft glauben, dass ein US-Board wichtiges technologisches Know-how in die Hände der Russen abgibt", sagte Kurt Lauk, der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats. Auch innerhalb der Bundesregierung sieht man inzwischen kaum mehr Chancen, dass sich der Verwaltungsrat für einen Einstieg des Duos Magna/Sberbank aussprechen könnte. "Die Signale gegen das Sanierungskonzept von Magna verdichten sich", hieß es am Montag in Regierungskreisen.

Kanzlerin Merkel hatte in den vergangenen Wochen mehrfach ihre Präferenz für die Magna-Lösung betont. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen hat GM jedoch in den jüngsten Gesprächen mit Vertretern der Berliner Regierung klargemacht, dass der Verwaltungsrat einem Verbleib von Opel im eigenen Konzern klar den Vorzug gebe. Ein Magna-Einstieg sei demnach nur die dritte und letzte aller möglichen Lösungsvarianten. Falls GM einen Teilverkauf von Opel aus finanziellen Gründen nicht realisieren könne, bevorzuge der Board eine Beteiligung des belgischen Finanzinvestors RHJ International als zweitbeste Lösung.

Union und SPD fürchten nun eine Situation, in der der Bund keinen Einfluss mehr auf die Zukunft der deutschen Opel-Standorte nehmen kann. GM indes spekuliert darauf, dass sich die Bundesregierung nach den Wahlen auf den US-Konzern zubewegen muss, wenn eine Insolvenz von Opel weiter verhindert werden soll.

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