„.ch“ geht an alle Haushalte
Neue Gratiszeitung startet in der Schweiz

Dem Schweizer Zeitungsmarkt steht ein heißer Herbst bevor. In- und ausländische Investoren gründen eine neue große Tageszeitung, die gratis verteilt werden soll. Die erste Ausgabe der bislang „.ch“ genannten Zeitung soll nach Handelsblatt-Informationen bereits Mitte September erscheinen. Das Besondere: Die Zeitung wird direkt morgens vor die Haustür geliefert.

ZÜRICH/DÜSSELDORF. Sie soll mit einer für Schweizer Verhältnisse großen Auflage von mehr als 400 000 Stück erscheinen.Hinter dem Projekt stecken vor allem fünf Investoren, unter ihnen auch der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Michael Grabner. „Ich bin aber nur ein Mini-Aktionär“, sagte Grabner am Wochenende, der früher Aufsichtsratschef der Verlagsgruppe Handelsblatt war. Neben Grabner gehören zu den Investoren unter anderem der Präsident des Hörgerätehersteller Phonak, Andy Rihs, der Vorarlberger Verleger Eugen Ruß („Vorarlberger Nachrichten“) sowie Hans Ziegler, der sich in der Schweiz als Unternehmer und Sanierer einen Namen gemacht hat.

Initiiert wird das Projekt von Sasha Wigdorovits, der bereits die erste finanziell erfolgreiche Gratiszeitung in der Schweiz „20 Minuten“ geleitet hat. Wigdorovits war auch Chefredakteur des „Blick“, der im eidgenössischen Verlagskonzern Ringier („Cicero“, „Schweizer Illustrierte“) erscheint und als größte Schweizer Boulevard-Zeitung am meisten unter den Gratisblättern leidet.

Neu ist das Vertriebskonzept: Die Zeitung wird jeden Morgen in die Haushalte zugestellt. Dazu wird vor jedem Haus eine spezielle Box aufgestellt, in der die Zeitungsexemplare liegen. Einen Großteil der Investitionen, die bei knapp 50 Mill. Euro liegen dürften, wird deswegen in den Vertrieb gesteckt, den eine Firma übernimmt, an der zur Hälfte die Schweizer Post beteiligt ist. „Die Verteilung an die Haushalte über die Post ist unser Wettbewerbsvorteil“, sagt Grabner, der voraussichtlich auch dem Verwaltungsrat von „.ch“ angehören wird. Er ist neben dem österreichischen Verleger Russ der einzige Investor mit langjähriger, internationaler Zeitungserfahrung. Für den Verleger Russ, der außerhalb von Österreich über Beteiligung in Ungarn und Rumänien verfügt, ist die Gratiszeitung „.ch“ das erste Investment in der Schweiz.

„.ch“ soll inhaltlich kein Boulevard-Blatt werden. Redaktionelle Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Nachrichten, Sport und Service. Das Blatt soll zunächst mit einer Stammmanschaft von rund 50 Mitarbeitern auskommen. Chefredakteur ist Rolf Reeb, der zuvor beispielsweise bei der „Luzerner Zeitung“ tätig war.

Harter Kampf

Der Schweizer Zeitungsmarkt ist hart umkämpft. Erst vor wenigen Tagen hatte der größte Schweizer Verlag, Ringier, mitgeteilt, dass seine Wirtschaftszeitung „Cash“ eingestellt wird. Die letzte Ausgabe erscheint am 28. Juni. Im Gegenzug soll das Multimediaprojekt „Cashdaily“, ein Partner des Handelsblatts, ausgebaut werden, das rund um eine gratis verteilte tägliche Wirtschaftszeitung entstanden ist.

Profiteur vom Aus für „Cash“ als Wochenzeitung ist der deutsche Medienkonzern Axel Springer. Der Berliner Verlag hatte kürzlich das Schweizer Verlagshaus Jean-Frey übernommen. Ringier hat mit Springer eine Vereinbarung getroffen, wonach die bisherigen 43 000 festen „Cash“-Abonnenten nach der Einstellung des wöchentlichen Blatts das Angebot erhalten, einen der bei Springer in der Schweiz erscheinenden Wirtschaftstitel wie die „Handelszeitung“, das zweiwöchentlich erscheinende Wirtschaftsmagazin „Bilanz“, oder das ebenfalls 14-täglich erscheinende Anlegermagazin „Stocks“ zu beziehen.

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