140-Zeichen-Grenze fällt
Die neue Freiheit auf Twitter

Twitter macht Schluss mit der Begrenzung und hebt das Limit von 140 Zeichen auf – zumindest bei Direktnachrichten. Dahinter steckt weniger die Liebe zur Kommunikation als der dringende Wunsch nach steigenden Nutzerzahlen.
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Düsseldorf140 Zeichen können ziemlich einschränkend sein – das weiß wohl jeder Twitter-Nutzer. Denn witzige, geistreiche oder informative Botschaften lassen sich mitunter schwer in ein begrenztes Textfeld packen. Das hat jetzt auch das soziale Netzwerk erkannt, der die Begrenzung von 140 Zeichen aufheben will. Allerdings nur für die privaten Direktnachrichten von Nutzer zu Nutzer. Auch für die galt die Grenze und machte private Kommunikation schwierig – schließlich gibt es Mitteilungen, die einfach etwas mehr Platz benötigen.

Mit der Änderung solle „die private Seite von Twitter noch mächtiger und spaßiger werden“, gibt das US-Unternehmen im firmeneigenen Blog bekannt. Die Änderung war schon vor zwei Monaten angekündigt worden und soll nun in kommenden Wochen weltweit umgesetzt werden.

Hinter der Entscheidung steckt indes kein uneigennütziges Bekenntnis zur Rede- und Schreibefreiheit, sondern der Versuch, endlich wieder relevanter zu werden. Bei der Kommunikation zwischen den Nutzern muss Twitter aufholen. Wer lange Nachrichten verfassen will, geht woanders hin – zum Beispiel zu Facebook-Messenger. Und das schlägt sich auch bei den Nutzerzahlen wieder, denn die wachsen bei Twitter langsamer als bei der Konkurrenz: Facebook, Instagram und Snapchat konnten ihre Nutzerzahlen deutlich schneller steigern.

Das sehen auch die Aktionäre des Unternehmens: Aufgrund ihrer anhaltenden Kritik gab im Juli Chef Dick Costolo auf. Sein Nachfolger, Mitgründer Jack Dorsey, scheint auch noch kein Wachstumswundermittel gefunden zu haben. Aber der Übergangschef will Vertrauen demonstrieren: Für rund 875.000 Dollar hat Dorsey Anteilsscheine seines Unternehmens gekauft und hält damit jetzt 21,9 Millionen Aktien und somit drei Prozent an Twitter.

Den Anlegern gefiel das: Die Papiere sprangen am Montag an der Wall Street um neun Prozent auf 29,50 Dollar. Auch andere Twitter-Manager wie Finanzchef Anthony Noto hatten bekanntgegeben, Aktien erworben zu haben. Denn das Vertrauen schienen Anleger bisher verloren zu haben: Am 7. August landeten die Twitter-Papiere auf dem Rekordtief von 27,82 Dollar und damit nur knapp über dem Ausgabepreis von 26 Dollar.

Ob sich die Nutzer von der neuen Freiheit auf Twitter ködern lassen, bleibt erst einmal abzuwarten. Und auch, ob vielleicht irgendwann auch bei den Tweets die Grenze fällt.

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