Höhere Preise und mehr Macht für Käufer: Die neuen Regeln bei Ebay empören vor allem Profihändler. Die boykottieren das Auktionshaus nun. Nutzen dürfte ihnen das wenig.
Ebay-Zentrale in San Jose, Kalifornien: Das Unternehmen vollzieht gerade einen der radikalsten Einschnitte in seiner Unternehmensgeschichte. Foto: ap
Und sich dabei alle Mühe gegeben, davon abzulenken, dass Internet-Auktionen bei Ebay für viele Nutzer demnächst teurer werden.
Zwischen zwei TV-Interviews seilt sich Groß-Selbeck einen Augenblick ab – um an einem Laptop am Rande des Konferenzraums der Kinemathek in Berlin zu lesen, was die Onlinedienste über die Veränderungen bei Ebay schreiben.
„Ebay entlastet Privatverkäufer“, lautet eine Schlagzeile. Und eine andere: „Ebay senkt Gebühren“. – „Sehr gut“, murmelt Groß-Selbeck und eilt zum nächsten Interview.
Gute Presse – selten hatte Ebay diese so nötig wie derzeit. Seit Monaten steckt das Unternehmen in der Krise. Das Wachstum stockt, die Zahl der Nutzer stagniert, die der Betrüger nimmt zu, und es wird immer schwerer, echte Schnäppchen zu machen. An der Börse ist Ebay heute nicht mal mehr halb so viel wert wie noch vor drei Jahren.
Nun schlägt das Auktionsimperium zurück – und reagiert mit Neuerungen, die zu den radikalsten Einschnitten in der Geschichte des Unternehmens gehören. In den nächsten Monaten ändert sich für die Nutzer vieles – das Aussehen der Webseite, die Preise und das Bewertungssystem. Weil neue Nutzer kaum noch zu gewinnen sind, spielt Ebay dabei seine Macht gegenüber den Stammkunden aus, um die Börse wieder glücklich zu machen. Vor allem die wichtigsten Kunden von Ebay, Profihändler mit großem Geschäftsvolumen, empören die Neuerungen. Etwa 10 000 Profiverkäufer bieten in Deutschland ihre Waren über Ebay an. Ihr Frust geht so weit, dass etliche von ihnen seit gestern für eine Woche das Auktionshaus boykottieren.
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