3 780 Planstellen fallen weg – Gebührenfinanzierung verlängert
BBC senkt Kosten und bereitet sich auf die digitale Zukunft vor

Die traditionsreiche britische Sendergruppe BBC senkt kräftig die Kosten. Auf Druck ihrer Regierung strafft sie Verwaltung und Redaktionen. Gewerkschafter drohten mit Streiks gegen die Sparpläne.

LONDON/DÜSSELDORF. Die Führung des öffentlich-rechtlichen Senders hat vor Ostern angekündigt, dass 3 780 der rund 20 000 Planstellen wegfallen werden. 1 730 Stellen streicht sie in der Verwaltung, den Rest in den Redaktionen. Am härtesten trifft es die Bildungsredaktion, aber auch in den Nachrichtenredaktionen fallen viele Stellen weg. Unter anderen will die BBC Medienberichten zufolge ihre TV-Korrespondentin aus Berlin abziehen. Das Unternehmen wollte sich weder dazu noch zum Verlauf erster Gesprächen mit den Gewerkschaften äußern.

„Wir gehen durch die schwierigste Phase, an die sich irgendeiner von uns erinnern kann“, sagte BBC-Generaldirektor Mark Thompson. Der Sender müsse den Zuschauern zeigen, dass sie für ihre Gebühren hochwertige Inhalte bekämen. Die Umstellung aller britischen Haushalte auf digitalen Fernsehempfang soll die BBC mit Qualitätsprogrammen unterstützen. Der Generalsekretär der Journalisten-Gewerkschaft NUJ, Jeremy Dear, verurteilte die Kürzungen: „Wir stehen vor der grotesken Situation, dass ein unfähiges Management den eigenen Sender schädigt.“

Knappe Kassen und Vorgaben der Regierung zwingen die BBC zum Sparen. Thompsons Vorgänger Greg Dyke hatte in Sport- und Filmrechte investiert, um die Einschaltquoten zu steigern. Doch der in der Redaktion beliebte Generaldirektor musste wegen journalistischer Mängel in der Berichterstattung über die Irak-Politik der Regierung gehen.

Kultusministerin Tessa Jowell hat der BBC jüngst zwar die Gebührenfinanzierung bis 2016 in Aussicht gestellt, ihr aber eine neue Aufsicht verordnet. Ein unabhängiges Gremium, ähnlich wie in Deutschland die Rundfunkräte, soll künftig die Senderführung überwachen. Bisher gab es einen Gouverneursrat, der zugleich verwaltete und kontrollierte. Jowell forderte zudem, die BBC dürfe nicht länger „Quote um der Quote willen“ anstreben und Formate von Privatsendern kopieren.

Beobachter werteten die Vorgaben der Regierung als wohlwollend. Die Konservativen hatten tiefer greifende Reformen gefordert. Doch eine Privatisierung der BBC ist kein Thema. „Kein anderer öffentlicher Sender genießt eine solche Unterstützung in der Bevölkerung wie die BBC“, sagt Steven Barnett, Professor für Kommunikation an der University of Westminster. „Die BBC muss aber zeigen, dass sie die Gebühren effizient für gute Programme einsetzt.“ Zum 1. April steigen die jährlichen Gebühren für die britischen Haushalte um 4,5 Prozent auf 126,50 Pfund (182 Euro).

Auch in Deutschland werden dann die Rundfunkgebühren erhöht – um 5,4 Prozent auf 204,36 Euro im Jahr. Die Erhöhung fällt niedriger aus als gewünscht, so dass auch die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender die Kosten senken. Das ZDF hat nach eigenen Angaben seit Mitte der neunziger Jahre die Zahl der Arbeitsplätze um rund 600 auf 3 500 gesenkt. Ein Sprecher sagte, dass weitere 300 Stellen wegfallen sollen. Die ARD-Sender einschließlich Deutschlandradio beschäftigten 21 500 Menschen. Sie wollen nach Angaben eines Sprechers in den nächsten Jahren 600 Arbeitsplätze streichen.

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