„360-Grad-Vermarktung“: Konzertveranstalter CTS Eventim plant global

„360-Grad-Vermarktung“
Konzertveranstalter CTS Eventim plant global

Wer eine Eintrittskarte für ein Konzert, Fußballspiel oder eine andere Großveranstaltungen erwerben möchte, landet immer häufiger bei der Bremer Agentur CTS Eventim. Eventim hat sich zum größten Tickertvermarkter Europas entwickelt und will nun weltweit operieren. Die Schlüssel dazu sind der sich ändernde Markt – und ein schlagkräftiger Partner.

MÜNCHEN. Die Haare ergrauen, die Zipperlein plagen, aber eine Tournee ist immer noch drin. Wenn in diesem Frühling die Konzertsaison beginnt, dann stehen vor allem altbekannte Recken auf den Brettern. Bruce Springsteen wird 2008 ebenso eine Deutschlandrunde drehen wie Elton John und Dire-Straits-Veteran Mark Knopfler. Sie alle touren, als sei die Zeit in den Achtzigern stehen geblieben.

Die alternden Stars verdienen gut und die recht junge Vermarktungsindustrie erst recht. Organisiert und verkauft werden die Konzerte von der Bremer CTS Eventim AG, mit einem Umsatz von 340 Millionen Euro Europas größter Ticketvermarkter. Und die Firma hat große Ziele: 20 Millionen Konzertkarten will sie 2008/09 losschlagen, fünf Jahre später sollen es schon 60 Millionen sein. Und das bei einer „außergewöhnlich hohen“ Ebit-Marge von über 40 Prozent“, wie CTS-Chef Klaus-Peter Schulenberg verspricht.

Während früher Konzernthallen ihre Karten meist selbst und oft lokal verkauft haben, ist das Ticket-Geschäft heute professionalisiert. Das im S-Dax gelistete Unternehmen CTS strebt danach, ein „Global Player“ in der Ticketbranche zu werden. Dazu hat Schulenberg im Dezember einen Kooperationsvertrag mit Live Nation abgeschlossen, dem weltgrößten Ausrichter von Musik- und Sportveranstaltungen. Die Amerikaner betreiben ein Geschäft mit einem Umsatz von drei Mrd. Dollar und 25 000 Veranstaltungen pro Jahr. Die beiden Partner teilen sich nun die Welt auf: CTS übernimmt in Europa den Markt für Veranstaltungen und Tickets, Live Nation nutzt die Software der Deutschen und zahlt eine Lizenzgebühr.

Der Verkauf und die Vermarktung von Tickets ist längst eine High-Tech-Aufgabe. CTS hat sein Gesellenstück bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland abgeliefert und die 3,4 Millionen Eintrittskarten für das Turnier reibungslos an die Fans gebracht. Seitdem halten die Bremer große Kapazitäten an Software und Rechenzentren vor. Drei Millionen Ticketanfragen könne man gleichzeitig bearbeiten, gibt CTS an. Wer bis 16 Uhr seine Karten bestelle, habe sie am nächsten Morgen im Briefkasten.

Das sind Kapazitäten für die Vermarktung globaler Megastars, und die hat Live Nation unter Vertrag. Die Amerikaner haben im vergangenen Jahr für 120 Mill. Dollar die US-Sängerin Madonna von der Plattenfirma Warner abgeworben. Die Mutter des modernen Popkommerzes begründete ihren Wechsel so: „Es hat in der Musikindustrie einen Paradigmenwechsel gegeben, und als Künstlerin und Geschäftsfrau muss ich den Wechsel mitmachen.“ Nicht mehr eine Plattenfirma, sondern der Konzertveranstalter Live Nation wird die nächsten drei Alben des Superstars produzieren. Die anschließende Konzerttour und das Merchandising sollen mehr einspielen als die verkauften Tonträger. „360-Grad-Vermarktung“ heißt das neue Geschäftsmodell, mit dem Live Nation den Madonna-Rummel komplett abschöpfen will.

„Das Modell erhöht das Risiko“, räumt allerdings CTS-Chef Schulenberg ein. „Früher haben sich Plattenfirmen und Konzertvermarkter das Risiko eines Künstlers geteilt.“

Schulenberg will deshalb von solchen Geschäftsmodellen die Finger lassen. Denn die Schraube der Vermarktung ist schnell überdreht. Weil sie mit CDs kein Geld mehr verdienen, haben die Künstler in den vergangenen Jahren ihre Gagenforderungen drastisch erhöht, die Ticketpreise in Deutschland sind – zum Verdruss der Vermarkter – seit 2003 um dreißig Prozent gestiegen. Die Folge: Selbst bei Megaauftritten wie denen der Rolling Stones gingen nicht alle Karten weg. „Wir sind gegen weitere Preissteigerungen“, sagt Schulenberg deshalb. „Und wir hoffen auf die Einsicht der Künstler.“

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