4000 Jobs weg
Nokia verlagert Handy-Produktion nach Asien

Nokia will weltweit 4.000 Arbeitsplätze abbauen. Die Produktion der Mobiltelefone soll komplett nach Asien verlagert werden. Zweifel bleiben an der Aussage, dass Kostengründe nicht im Vordergrund stehen.
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StockholmDer angeschlagene Handy-Hersteller Nokia greift zu immer weitgreifenderen Maßnahmen, um den wachsenden Abstand zur davoneilenden Konkurrenz wieder verkürzen zu können. Um dichter am Kunden zu sein, will Nokia seine Smartphone-Produktionsstätten im Heimatland Finnland sowie in Ungarn und Mexiko nach Asien verlagern. ”Wir wollen geografisch näher an unseren Kunden und unseren Zulieferern sein”, begründete ein Nokia-Sprecher den Schritt gegenüber dem Handelsblatt.

Von der Maßnahme sind etwa 4000 Arbeitsplätze betroffen, davon 1000 im Stammwerk im finnischen Salo, 2300 in Ungarn und rund 700 in Mexiko. Der Stellenabbau solle bis Ende dieses Jahres durchgeführt werden und sozial verträglich sein, teilte Nokia mit. Die drei betroffenen Werke will der finnische Handy-Produzent nicht vollständig schließen.

Vielmehr sollen in den Werken künftig regionale Anpassungen der Produkte vorgenommen werden. Dazu zählen marktspezifische Software-Lösungen für Geräte, die für den europäischen und nordamerikanischen Markt bestimmt sind. ”Durch die Verlagerung der Smartphone-Produktion können wir unsere Entwicklungszeiten deutlich verkürzen, was heute immer wichtiger geworden ist”, sagte der Sprecher.

Er betonte zwar, dass Kostengründe bei den jetzt beschlossenen Maßnahmen nicht im Vordergrund gestanden hätten. Dennoch ist klar, dass Nokia weiter an der Kostenschraube drehen muss. Im vierten Quartal vergangenen Jahres hatte der Konzern einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro geschrieben. In der Summe waren allerdings Abschreibungen auf Vermögenswerte in etwa gleicher Höhe enthalten.

Nokia ist mit einem Weltmarktanteil von knapp 24 Prozent weiterhin größter Handy-Hersteller der Welt. Doch die Finnen hatten den Trend zu Smartphones verschlafen und müssen seit zwei Jahren zuschauen, wie vor allem Apple mit seinem iPhone und Samsung mit seinen Android-Geräten immer weiter Boden gut machen. Deshalb hatte Nokia-Chef Stephen Elop vor einem Jahr entschieden, das als veraltet geltende hauseiegene Handy-Betriebssystem Symbian durch das Microsoft-System Windows Phone 7 zu ersetzen. Die ersten Windows-Geräte sind auf dem Markt, und von ihrem Erfolg wird das weitere Schicksal des einstigen Branchenprimus abhängen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Nokia weltweit die Streichung von etwa 10.000 Arbeitsplätzen beschlossen. Außerdem machte der Konzern sein Werk im rumänische Cluj nach nur drei Jahren wieder zu. Die jetzt verkündeten Maßnahmen sind Teil eines Sanierungsprogramms, dass Nokia im vergangenen Herbst bekanntgegeben hatte. Die Nokia-Aktie legte nach Ankündigung der Maßnahmen um mehr als ein Prozent zu.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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