70 Firmen stehen zum Verkauf
IBM erwägt Kauf von IT-Dienstleistern

In einem schwachen Markt stellt sich die Dienstleistungstochter IBM Global Services in Deutschland auf Verdrängungswettbewerb ein.

STUTTGART. Der IT-Dienstleister IBM Global Services denkt nach der Integration der Beratersparte von PWC über weitere Zukäufe nach: „Es ist davon auszugehen, dass sich IBM in Deutschland aktiv an der weiteren Konsolidierung im Markt der IT-Dienstleister beteiligen wird“, sagte der Deutschland- Chef von IBM Global Services, Rudolf Bauer, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir werden dabei allerdings den gesunden Menschenverstand und kaufmännisches Denken nicht außer Acht lassen“, fügte er hinzu.

Derzeit stehen nach Schätzungen von Experten rund 70 IT-Dienstleistungsunternehmen zum Verkauf. Darunter befinden sich viele IT- Töchter großer Konzerne, die in der Hoffnung auf zusätzliche Aufträge am freien Markt in den vergangenen Jahren ausgegliedert worden waren. Doch der immer härtere Wettbewerb und der Verfall der Preise für IT-Dienstleistungen hat viele dieser Pläne durchkreuzt.

Spätestens nach der Übernahme der Thyssen-Krupp-Tochter Triaton durch den IBM-Konkurrenten Hewlett-Packard (HP) ist in die lang erwartet Konsolidierung auf dem IT-Services-Markt Bewegung gekommen. „Der Kauf von Triaton war ein Zeichen dafür, dass der Wettbewerb nicht schläft“, sagt Bauer.

IBM beschäftigt hier zu Lande rund 25 000 Menschen. Der US-Konzern veröffentlicht für Deutschland jedoch weder Umsätze noch Ergebnisse. „Wir schätzen, dass IBM in Deutschland im vergangenen Jahr mit IT-Services rund 2,7 Milliarden Euro umgesetzt hat“, sagt Jean Christian Jung vom Beratungsunternehmen PAC. Jung geht davon aus, dass der Umsatz von Global Services in Deutschland 2003 stagniert hat.

Einschließlich der von IBM adressierten Beratungsdienstleistungen liegt das Marktvolumen für IT-Services nach Berechnungen des Handelsblatts in Deutschland bei 30 Mrd. Euro. Damit ergibt sich selbst für den Branchenprimus IBM im IT-Service-Geschäft ein Marktanteil von weniger als zehn Prozent.

Der Branchenverband Bitkom sagt den IT-Dienstleistern für 2004 nur ein mageres Wachstum von 1,7 Prozent voraus. „Wir können in diesem Umfeld nur dann wachsen, wenn wir anderen etwas wegnehmen. Es wird einen Verdrängungswettbewerb geben“, schlussfolgert Bauer.

Doch nicht nur HP macht Marktführer IBM in Deutschland das Leben schwer. Daneben gibt es noch nationale Größen wie T-Systems, die IT-Service-Sparte der Deutschen Telekom oder die Siemens-Tochter SBS. Dazu kommen internationale Wettbewerber wie CSC und EDS. „Deutschland ist der am härtesten umkämpfte Markt und der Wettbewerb ist dramatisch“, sagt Bauer. Der anhaltende Wettbewerbsdruck führe auf dem gesamten Markt zu Preisdruck und Zugeständnissen bei den Konditionen. Damit werde es immer schwieriger, Qualität zu platzieren. „Dies ist durchaus auch als Warnung zu verstehen, es mit dem 'Geiz ist geil' nicht zu weit zu treiben“, sagt der IBM-Manager.

Allerdings hat sich die Produktpalette von IBM Global Services durch die Übernahme der Beratungssparte von PWC erheblich verbreitert. Sie reicht inzwischen von der simplen PC-Betreuung über den Betrieb ganzer Rechenzentren und IT-Projekte bis hin zur Managementberatung.

„Die breite Aufstellung der IBM ist alleine noch keine Strategie“, räumt Bauer ein. „Aber das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile.“ PAC-Experte Jung wertet die PWC-Übernahme als „besten Schachzug der IBM in den vergangenen Jahren“. Denn nun könne IBM mit Kunden über ihre Probleme bei den Geschäftsprozessen sprechen und nicht nur über die Lösung von Technologieproblemen.

„Die Transformation der Geschäfte unserer Kunden ist unser eigentliches Ziel“, bestätigt Bauer. Viele Unternehmen seien in der Vergangenheit monolithisch gewachsen, erklärt er. Doch Unternehmen müssten künftig viel stärker aus modularen Komponenten aufgebaut sein.

Noch wachsen die Bäume nicht in den Himmel. „Der Markt entwickelt sich an dieser Stelle nicht so schnell wie wir erwartet haben“, räumt Bauer ein. So ist IBM Global Services nach Schätzung von Experten im vergangenen Jahr nur im klassischen Outsourcing-Geschäft gewachsen. Das auf rund 500 Millionen Euro Umsatz geschätzte Beratungsgeschäft dürfte dagegen geschrumpft sein.

„Die Integration von PWC hat IBM im vergangenen Jahr im Beratungsgeschäft belastet“, glaubt Jung. Das sei allerdings eine Investition, die sich in der Zukunft auszahlen werde.

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