99 Designs kooperiert mit Jimdo
Aldi der Designer expandiert in Deutschland

Der Internet-Designmarktplatz 99Designs aus San Francisco verbündet sich mit dem Web-Baukasten Jimdo aus Hamburg. Sie versprechen Gründern ein professionell gestaltetes Logo – zum Billigpreis.
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San FranciscoDer weltgrößte Internet-Designmarktplatz 99Designs aus San Francisco verbündet sich mit dem Web-Baukasten Jimdo aus Hamburg. Ab 419 Euro verspricht der umstrittene Aldi der Design-Industrie Unternehmensgründern ein professionell gestaltetes Firmen-Logo mit einer individuellen Webseite für ihr Kleinunternehmen. Deutschland ist der größte Wachstumsmarkt.

Der Ablauf ist meist der gleiche: Ein junger Gründer mit wenig Geld braucht ein professionelles Logo seine für Firma. Und natürlich braucht er auch eine eigene Webseite. Im Laufe der Zeit machte der Chef von 99Designs, Patrick Llewellyn, eine erstaunliche Entdeckung: „Fast 80 Prozent aller Neukunden bei uns haben keine eigene Webseite für ihr Geschäft“, erzählt er in dem schlichten Konferenzraum in der umgebauten Lagerhalle mit den roten Ziegelwänden an der Battery Street. Das hört sich nach einem echten Bedarf an und nach einem guten Zusatzgeschäft für die Designer, dachte er sich.

Weil sich gute Designer aber in der Regel mit Photoshop und Illustrator blendend auskennen, aber keine Ahnung von Web-Programmierung in HTML5 haben, musst eine einfache Lösung her. Die Wahl fiel aus Jimdo aus Hamburg, die ein Büro im Silicon Valley haben und bereits Erfahrungen in einer Partnerschaft mit Google gesammelt hatten. 99Designs wiederum hatte 2013 aus dem Jimdo-Büro in Hamburg seine erste Deutschland-Präsenz gestartet.

99Designs, gegründet im australischen Melbourne und jetzt mit Hauptquartier in San Francisco, ist die wahrscheinlich größte Plattform für Design-Ausschreibungen im Internet. Ein Kunde, etwa ein Unternehmen oder eine kleine Werbeagentur, fragt nach einem Logo und rund 250.000 Designer, ob Profi oder aufstrebender Student, können sich mit ihrer Idee bewerben. Wer nach Meinung des Kunden den besten Vorschlag macht, wird mit der Ausführung betraut. Wie so etwas aussehen kann zeigt der inoffizielle Wettbewerb zum Redesign des Yahoo!-Logos, den 99Designs veranstaltet hat.

Das läuft bislang sehr gut. Rund 350.000 Designausschreibungen hat das Unternehmen nach eigenen Aussagen seit 2009 insgesamt veranstaltet. Aus den Ergebnissen wurden zusammen 84 Millionen Dollar an siegreiche Designer ausgeschüttet. Kommt ein Vertrag zwischen Kunde und Designer zustande, bekommt 99Design eine Provision. Das Geschäft floriert, viele Kleinunternehmen können sich die Kosten für ein klassisches Designstudio noch nicht leisten. 2011 investierte Accel-Partners 35 Millionen Dollar in das Kreativ-Start-Up.

Diese „Crowdfunding“ genannte Vorgehensweise ist jedoch nicht unumstritten. Kritiker werfen der Firma Ausbeutung vor, die Designer würden für ihren „Pitch“, also ihre Bewerbung, nicht bezahlt. Designer bieten während dieser Zeit in der Regel einen ersten Entwurf an und mit dem Sieger wird ein Preis ausgehandelt.

Im klassischen Agenturgeschäft werden bereits Projektentwürfe vom Kunden bezahlt. Doch der Wandel ist vor allem bei kleineren Aufträgen schwer aufzuhalten. Nicht zuletzt aus dem Grund, weil 99Designs international arbeitet und potenziell Designer aus 195 Ländern bieten können. Das bedeutet zweifellos einen brutalen Ausleseprozess. Aber auf der anderen Seite können sich auch Designer bewerben, die in einem klassischen Vergabeverfahren niemals eine Chance bekommen hätten.

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