A.T. Kearney
Europas IT-Branche am Rande der Bedeutungslosigkeit

Die nordamerikanische und asiatische IT-Branchen wachsen jeweils doppelt so stark wie die europäische. Nur noch neun der weltweit 100 größten Unternehmen in der IT-Branche sitzen in Europa, darunter noch Nokia.
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MünchenDie europäische Hightech-Industrie versinkt einer Studie zufolge im internationalen Wettbewerb immer weiter in der Bedeutungslosigkeit. Lediglich noch neun der weltweit 100 größten Unternehmen der Informations- und Telekommunikationsbranche (ICT) haben ihren Sitz in Europa, teilte die Beratungsfirma A.T. Kearney am Freitag mit. Zusammen kommen sie demnach auf einen Anteil von einem Zehntel am globalen Branchenumsatz.

Der Trend verstärkt sich zudem: Wenn Nokia sein Handygeschäft an Microsoft abgegeben hat, verschwindet wieder einer der Top-Konzerne aus Europa. „Danach ist Europa unter den zehn größten Telefonherstellern der Welt nicht mehr präsent, ganz anders als vor 15 Jahren, als europäische Unternehmen den Sektor dominierten“, heißt es in der Studie.

A.T. Kearney macht vor allem wirtschaftspolitische Kleinstaaterei und Mutlosigkeit für die Entwicklung verantwortlich. „Zum einen fehlt es an strategischer Weitsicht und Innovationskraft, zum anderen an qualifizierten Fachkräften und strategischen Partnerschaften zwischen EU und Unternehmen sowie zwischen Unternehmen selbst“, klagen die Berater. „Die Fragmentierung des europäischen Markts und die Knappheit der Finanzmittel, die Unternehmen für internationale Expansion benötigen, begrenzen darüber hinaus das Wachstum des Sektors.“

In Nordamerika und Asien wachse die Branche jeweils etwa doppelt so stark. Die Politik der EU-Kommission zur Stärkung des Sektors versage. „Es fehlt ein strategischer Masterplan, bei dem die EU verstärkt auf ICT-Sektoren mit Wachstumspotenzial setzt sowie führende Unternehmen durch gezielte Industriepolitik dabei unterstützt, ihre Marktposition zu festigen und an Größe zu gewinnen“, sagte Studienautor Thomas Kratzert. Zu helfen sei der Industrie allenfalls noch durch starke Unterstützung der Politik. „Wir brauchen mehr paneuropäische Führung, nicht weniger.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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