ABB
Sinkender Ölpreis beutelt Siemens-Rivalen

ABB hat mit rapide schrumpfenden Einnahmen zu kämpfen. Das liegt vor allem an den Folgen des Ölpreisverfalls. Der Chef des Elektronikkonzerns will mit einem Sparkurs und Stellenabbau gegensteuern.

MünchenDie Investitionsscheu der Öl- und Gasförderbranche trifft den Elektrokonzern ABB immer härter. Mitten im Firmenumbau haben die Schweizer mit rapide schrumpfenden Einnahmen zu kämpfen. Im abgelaufenen Quartal sank der Umsatz um 13 Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar, wie die Schweizer am Mittwoch mitteilten. Der Gewinn des Siemens-Rivalen sackte um gut ein Fünftel auf 577 Millionen Dollar ab. Vor allem die schwache Nachfrage aus der Förderindustrie, die sich wegen des niedrigen Ölpreises mit der Anschaffung neuer Maschinen und Technik zurückhält, macht den Eidgenossen zu schaffen. Das Volumen der Neubestellungen schrumpfte um gut ein Fünftel auf 8,77 Milliarden Dollar.

„Unsere Ergebnisse im dritten Quartal spiegeln das herausfordernde Marktumfeld wider, in dem wir uns bewegen. Die kurzfristig umsatzwirksamen Aufträge im Öl- und Gassektor, in China und den USA waren rückläufig“, erklärte Vorstandschef Ulrich Spiesshofer. Folglich traf es innerhalb seines Konzerns das Segment Prozessautomation am schlimmsten: Der Auftragseingang des Bereichs halbierte sich, der Umsatz schrumpfte um knapp ein Viertel. Die Kunden zögerten, Ölvorkommen anzubohren und dafür neues Gerät zu kaufen. „Das wird auch eine Weile so bleiben“, sagte Spiesshofer in einer Telefonkonferenz.

Besserung ist nicht in Sicht. „Die Marktverhältnisse werden voraussichtlich bis weit ins Jahr 2016 herausfordernd bleiben“, kündigte der Konzernchef an. Auch das Geschäft mit Bergbautechnik in den USA darbe. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen sogar damit, dass sich die Gewinne von ABB in den kommenden fünf Jahren wegen der Schwäche der Energie- und Investitionsgüterbranche unterdurchschnittlich entwickeln würden. Die ABB-Aktien notierten am Mittwoch nahezu unverändert.

Zuletzt hatte die Schwäche der Förderindustrie auch die größeren Ausrüster GE und Siemens erwischt. Die Münchner hatten sich auf dem Gebiet jüngst noch mit milliardenschweren Übernahmen von Dresser-Rand und einer Sparte von Rolls-Royce erweitert. Siemens-Chef Joe Kaeser setzte auf den Boom von Schiefergas in Nordamerika, doch die Hoffnungen erfüllten sich bislang nicht. Der Konzern will Mitte November seine Geschäftsjahresbilanz vorlegen.

ABB-Chef Spiesshofer will mit einem Sparkurs und einem einhergehenden Stellenabbau gegensteuern. Bereits im September hatte der Schwabe die Zukunft des größten Geschäftsfelds von ABB, der Stromnetztechnik, infrage gestellt. Der Umsatz des Bereichs Energietechniksysteme, der ab dem nächsten Jahr mit anderen Geschäftsteilen zur Sparte Stromnetztechnik zusammengefasst werden soll, sackte zuletzt um ein Zehntel ab, der Auftragseingang um gut ein Fünftel. Der mögliche Verkauf nährte Spekulationen über eine Aufspaltung des Unternehmens. Die "strategischen Überprüfung" laufe nach Plan, im kommenden Jahr sollen ohne Eile Ergebnisse präsentiert werden, bekräftigte ABB.

Bis 2017 will Spiesshofer eine Milliarde Dollar pro Jahr einsparen und baut dafür weitere Stellen ab. Die Belegschaft der Eidgenossen ist seit seinem Amtsantritt von 157.000 auf 137.000 Mitarbeiter geschrumpft. Wie viele Stellen seinem aktuellen Sparkurs zum Opfer fallen werden, will Spiesshofer nicht sagen. Er räumte ein, die Stimmung in der Zürcher Zentrale sei „angespannt“. Finanzchef Eric Elzvik erklärte, die Restrukturierungskosten für 2015 würden eher am unteren Ende der angepeilten Spanne von 300 bis 600 Millionen Dollar liegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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