Abermalige Verschiebung der Bilanzvorlage
Dells Bücher weisen Ungereimtheiten auf

Der PC-Hersteller Dell hat es immer noch nicht geschafft, Ordnung in seine Buchhaltung zu bringen. Bei einer internenen Überprüfung habe man Hinweise auf ein Fehlverhalten gefunden, hieß es. Deshalb müsse die Vorlage der Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr verschoben werden. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

HB/je SAN FRANCISCO. Das Unternehmen prüfe, ob die Zahlen der vergangenen Jahre korrigiert werden müssen, teilte der US-Konzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. An der Börse wurde die Nachricht negativ bewertet. Die Aktien gaben nachbörslich knapp 6 Prozent auf 22 Dollar nach.

Dell hatte die internen Ermittlungen im August 2006 bekannt gegeben. Auch die US-Börsenaufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft hatten sich eingeschaltet. Bereits die Zahlen für das zweite und dritte Quartal hatte Dell mit Verzögerung vorgelegt. Zu den Gründen für die Ermittlungen der SEC hatte Dell lediglich mitgeteilt, dass es sich um „bestimmte Bilanzierungs- und Berichtsfragen“ handele. Die Komplexität der Ermittlungen behindere die Erstellung der Bilanzen, hatte es geheißen.

Für das vierte Quartal und das Gesamtjahr liegen seit Anfang März allerdings schon vorläufige Zahlen vor. Demnach fiel Dells Umsatz im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr von 15,2 auf 14,4 Mrd. Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 14,9 Mrd. Dollar gerechnet. Der Reingewinn fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf 673 Mill. Dollar oder 30 Cents pro Aktie und übertraf damit leicht die gesenkten Erwartungen. Erzrivale Hewlett-Packard meldete für den gleichen Zeitraum einen Umsatzzuwachs von 11 Prozent und 26 Prozent Gewinnsteigerung. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der HP-Kurs um rund ein Viertel, während Dell um etwa die gleiche Marge absackte.

Sorge um Dell

Die Frage ist: Wohin steuert Dell? Immerhin war der Konzern bis zum vergangenen Jahr noch der größte Personalcomputer-Hersteller der Welt. Wer Aufschluss im Zusammenhang mit der Vorlage der Ergebnisse für das vierte Quartal erwartet hatte, wurde enttäuscht. Dell strich die übliche Telefonkonferenz mit Analysten und hüllte sich in Schweigen. Nach der Rückkehr von Gründer Michael Dell als Konzernchef und der Runderneuerung fast des gesamten Top-Managements sind viele Fragen offen, auf die die neue Führung offenbar noch keine schlüssigen Antworten hat. Prognosen wurden nicht gestellt und in einer Stellungnahme erklärte Michael Dell die Ergebnisse für „enttäuschend“.

Die Krise bei Dell ist zum größten Teil hausgemacht, da sind sich Experten einig. Die Vernachlässigung des profitablen Geschäfts mit Privatkunden, die Probleme mit dem Kundendienst und die nachlassende Produktqualität gehören ebenso dazu wie die offenbar tiefer gehenden Probleme mit der Bilanzierung. Hinzu kommt, dass die gesamte PC-Branche vor einigen Schwierigkeiten steht, nachdem der erwartete Aufschwung durch das neue Microsoft-Betriebssystem Windows Vista, das leistungsfähigere Rechner erfordert, bisher ausblieb. Dell-Konkurrent Lenovo verkündete bereits Entlassungen.

Dell verpflichtete mehrere bekannte Manager, darunter Ron Garriques von Motorola, der künftig weltweit die Fertigung verantwortet, und Don Carty, Ex-Chef von American Airlines, als neuen Finanzchef. Als Fragen stehen jedoch weiter im Raum, ob Michael Dell der Mann ist, um das Unternehmen wieder flott zu machen kann, und ob das von ihm geschaffene Geschäftsmodell des Direktverkaufs und der super-schlanken Fertigung nach Auftrag noch eine Zukunft hat.

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