Abhörskandal
Die Nachfolgediskussion bei News Corp läuft an

Verleger Rubert Murdoch, sein Sohn James sowie Spitzenmanagerin Rebekah Brooks müssen im britischen Parlament aussagen. Die Hackergruppe Lulz Sec hat die Internetseite der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ gehackt.
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DüsseldorfDie Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Hacker haben am späten Montagabend offenbar die Internetseite der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ gehackt. Besucher der Website wurden automatisch zu einer Seite weitergeleitet, auf der berichtet wurde, „Sun“-Verleger Rupert Murdoch sei tot in seinem Garten gefunden worden. Auf der Nachrichtenseite Twitter bekannte sich die Gruppe Lulz Security zu dem Hackerangriff und bezeichnete ihn als erfolgreichen Teil des „Murdoch Meltdown Monday“ (dt.: Murdochs Montag des Niedergangs).

Die Hackergruppe hatte in der Vergangenheit bereits die Verantwortung für Angriffe auf die Internetseiten von Unternehmen, Partnerorganisationen der US-Bundespolizei FBI und des Auslandsgeheimdienstes CIA übernommen.

Im Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World" muss Medienmogul Rupert Murdoch nun auch wirtschaftlich Federn lassen: Die Ratingagentur Standard & Poor's prüft, die Kreditwürdigkeit von NewsCorp wegen des Spitzelskandals herabzustufen.

Allein in der letzten Woche büßten die Aktien des Unternehmens rund 13 Prozent an Wert ein. Seit Beginn der Affäre hat NewsCorp rund zwei Milliarden Dollar an Börsenwert, die Familie Murdoch ein Vermögen verloren. Auch personell setzte der Skandal der Firma zu: Mit Les Hinton trat der Chef der Tochterfirma Dow Jones zurück, deren Aushängeschild das „Wall Street Journal“ ist.

Hinton hatte über zwölf Jahre die britische News-Corp.-Verlagstochter News International geleitet, zu der auch das Skandalblatt „News of the World“ bis zu seiner Einstellung gehörte. 

Reporter der Sonntagszeitung haben den bisherigen Erkenntnissen zufolge systematisch die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört. Die Vorfälle fallen in jene Zeit, in der Hinton den Verlag in Großbritannien führte und auch erste Details ans Licht kamen.

Ein NewsCorp-Aktionär hat Rupert Murdoch und seine Familie bereits vor einem New Yorker Bundesgericht verklagt, weil der Spitzelskandal die Firma geschädigt habe. Medienmogul Rupert Murdoch hatte zuvor bereits wichtige Führungsfiguren in seinem milliardenschweren Imperium News Corp verloren.

Auch der renommierten Polizeibehörde Scotland Yard wird in der Affäre Korruption vorgeworfen. Mit John Yates war am Montag der zweite hochrangige Polizist der Behörde zurückgetreten. Am Sonntag nahm bereits Sir Paul Stephenson, der ranghöchste britische Polizist, seinen Hut. Zuvor hatten mit Rebekah Brooks und Les Hinton zwei Murdoch-Top-Manager das Handtuch geworfen.  

Am Dienstag müssen Rupert Murdoch, sein Sohn James, die frühere Verlagsleiterin von News International, Rebekah Brooks und der zurückgetretene Polizeichef Stephenson vor Parlamentariern Rede und Antwort zu der Affäre stehen. Am Mittwoch soll das Parlament erneut über die Angelegenheit debattieren - einen Tag nach Beginn der eigentlichen Sommerpause.

Premierminister David Cameron verkürzte eine für vier Tage geplante Reise nach Südafrika um die Hälfte, um an der Debatte teilnehmen zu können. Der Regierungschef geriet nach dem Rücktritt von Polizeichef Stephenson erheblich in die Defensive.

Hannes Vogel
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  • *war die pointe in "Kreditwürdigkeit von NewsCorp in Gefahr" etwa ungewollt? ;-)

  • Machen wir uns keine Illusionen, die kommenden ideologischen Einpeitscher stehn schon in den Startlöchern mit scharrenden Hufen.
    Und die werden uns Wahrheit nicht nur buchstabieren, sondern gleich multiziplieren weil, das ist ja noch mehr als Scheißhauskacke.

  • Da kommen einem ja die Tränen.
    Das ist ja ganz furchtbar - kann man diesen armen Leuten nicht helfen?
    Mit Staatskreditzusagen?
    Das ist ja ganz entsetzlich: und die ganze Welt schaut zu und macht nix: ganz furchtbar.

    Wir Menschen sind einfach furchtbar ganz schlecht: wir wehren uns gegen ideologische Einpeitscher.

    Wir sind diese Verlagsgruppe einfach nicht wert.

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