Abhörskandal
Neue Vorwürfe - Telekom dementiert

Die Deutsche Telekom hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach es bei dem Bonner Konzern in den 90er Jahren zum Abhören und Aufzeichnen von Telefongesprächen gekommen sein soll. Die Telekom räumte lediglich ein, dass in einem Fall der Datenverkehr eines ISDN-Anschlusses aufgezeichnet worden sei, weil der Verdacht eines Hackerangriffs bestanden habe.

HB DÜSSELDORF. Es sei "keine illegale Aktivität wie das Abhören von Gesprächsinhalten" erfolgt, hieß es am Freitag in einer Stellungnahme des Konzerns. Das ZDF und die "Wirtschaftswoche" berichteten am Freitag vorab unter Berufung auf Unterlagen des Konzerns, dass die Telekom Kunden abgehört habe. Auslöser seien mutmaßliche Hackerangriffe gewesen. Im Dezember 1996 seien insgesamt 120 Anrufe erfasst worden. Das ZDF berichtete, dabei seien "offenbar auch die Gesprächsinhalte technisch verfügbar" gemacht worden. Es sei um insgesamt drei verdächtige Personen gegangen. Laut "Wirtschaftswoche" war weder die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden noch gab es eine richterliche Anordnung.

Intern sei dann eine Streit über die Rechtmäßigkeit der Aktion entbrannt und versucht worden, die Angelegenheit zu vertuschen, hieß es in den Berichten. Die Telekom habe dann im Juni 1997 doch das Bundesministerium für Post und Telekommunikation informiert. Die Behörde war laut den Medienberichten zu dem Schluss gekommen, dass die Maßnahme rechtswidrig war. Dennoch sei sie strafrechtlich folgenlos geblieben.

Die Telekom wies den Vorwurf zurück, es sei versucht worden, etwas zu vertuschen. Die Netzsicherheit der Telekom sei massiv bedroht gewesen, erklärt der Konzern. Die zuständigen Behörden seien informiert und der Fall bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht worden. Die Telekom habe auch eigene Schritte "zur Gefahrenabwehr" unternommen. Es sei zu keiner illegalen Datenerfassung gekommen, heißt es in der Stellungnahme. Die Telekom steht derzeit öffentlich in der Kritik. Der Konzern hatte eingeräumt, 2005 und möglicherweise auch 2006 Telefondaten ausgewertet zu haben. Dem Vernehmen nach ging es hauptsächlich um Kontakte zwischen Aufsichtsräten und Journalisten, wohl aber auch um Kontakte von Managern zu Journalisten. Ziel war es dem Vernehmen nach, undichte Stellen zu stopfen, um die Veröffentlichung von Interna zu unterbinden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%