Abosender
Staatsanwalt ermittelt gegen Sky

Der Abo-Sender Sky muss mit Strafzahlungen rechnen: Die Börsenaufsicht hat in den Bilanzen Fehler entdeckt – und zwar aus der Zeit, als das Unternehmen noch Premiere hieß. Nicht nur die Abonnentenzahlen waren geschönt.
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MÜNCHEN. Es mutete an wie ein Märchen. Jahrelang hatte der Bezahlsender Premiere seinem Eigner Leo Kirch nichts als milliardenschwere Verluste gebracht. Am Ende brach sogar das Imperium des Medienmoguls unter der Last zusammen.

Aus dem Pleite-Konglomerat überlebte jedoch ausgerechnet der Bezahlsender. Der begnadete Verkäufer Georg Kofler brachte den Konzern sogar vor gut fünf Jahren an die Börse, die Investoren rissen ihm die Aktien förmlich aus den Händen. Zwölffach überzeichnet war die Emission – mehr als eine Mrd. Euro sammelte Kofler ein. „Mit dem erfolgreichen Börsengang lässt Premiere die Vergangenheit endgültig hinter sich“, frohlockte Kofler damals.

Heute heißt Premiere Sky, Kofler hat sich längst verabschiedet. Der neue Großaktionär ist Rupert Murdoch – doch viel Freude hat auch er mit seinem verlustträchtigen Engagement nicht. Mittlerweile wird immer deutlicher, warum der Sender nicht aus den roten Zahlen kommt: Es fehlt bis heute schlicht eine ausreichende Kundenbasis, die entsprechenden Zahlen waren jahrelang geschönt.

Kofler und sein Intimus Michael Börnicke – erst Finanzvorstand, dann Koflers Nachfolger als Vorstandschef – haben mit Premiere offenbar viel heiße Luft verkauft. Das hat Murdoch schon lange vermutet, doch seit gestern ist dieser Befund amtlich: Die Börsenaufsicht BaFin habe Fehler im Jahresabschluss 2007 und im Halbjahresbericht 2008 festgestellt, räumte Sky in aller Frühe ein. Die Aktie brach daraufhin zunächst um zehn Prozent ein. Die Anteilsscheine des einstigen Börsenstars sind ohnehin kaum noch etwas wert.

Die BaFin hatte sich die Bilanzen genau angesehen. Nicht nur die Abonnentenzahlen waren geschönt, auch habe Premiere seinen Aktionären im Konzernlagebericht 2007 verschwiegen, wie riskant das Geschäftsmodell ist, da alle paar Jahre ein teures Wettbieten um die Fernsehrechte für die Spiele der Fußball-Bundesliga entbrennt. Die Bundesliga aber ist das wichtigste Zugpferd des Senders – viele Kunden haben ihr Abo nur deshalb. Zudem habe Premiere falsche Angaben zu seinem Firmenwert gemacht und die Ertragslage beschönigt, lauten die Vorwürfe. Sky Deutschland drohen nun Bußgelder. Nach einer Anzeige ermittelt auch die Münchener Staatsanwaltschaft – wegen Betrugsverdacht.

„Ich habe ein absolut reines Gewissen“

Kofler sieht bei sich keine Schuld. „Ich habe ein absolut reines Gewissen“, sagte er gestern dem Handelsblatt. Die kritisierten Abschlüsse seien erst nach seinem Abgang erstellt worden, für die Bestimmung von Abonnentenzahlen gebe es keine bilanzrechtlichen Standards, und bei den Themen rund um die Bundesligarechte habe man eigens Gutachten von Wirtschaftsprüfern eingeholt. Auch Sky bezeichnete die Ergebnisse der BaFin-Prüfung gestern als „unzutreffend“ und will dagegen klagen.

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