Abspracheverdacht «absolut unbegründet»
Kabel Deutschland will Übernahmeplan retten

Kabel Deutschland hat angekündigt, das Angebot Internet per TV-Kabel massiv auszuweiten und der Telekom «echte Konkurrenz» zu machen. Mit dem Plan versucht das Unternehmen, Bedenken des Kartellamts zu zerstreuen.

HB BERLIN. Der deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland GmbH (KDG) dreht im Kampf mit dem Bundeskartellamt um die Übernahme regionaler Netzbetreiber das Argument der Kartellwächter um. «Wenn wir am Zusammenschluss gehindert werden, dann behält die Telekom ihre Monopolstellung im Bereich Internet bei», sagte KDG-Chef Roland Steindorf der «Welt am Sonntag».

Damit betont Steindorf bewusst die geplante Nutzung von TV-Kabelnetzen für schnelle Internetzugänge. «Wir weiten unser Internetangebot massiv aus und machen damit dem Angebot der Deutschen Telekom echte Konkurrenz», so der KDG-Chef. Mit der Multimedia-Offensive will KDG dem Kartellamt den Wind aus den Segeln nehmen. Anfang vergangener Woche hatte die Behörde erhebliche Bedenken gegen die Übernahme von Kabel Baden-Württemberg, Ish und Iesy durch KDG angemeldet.

KDG will die drei kleineren Kabelnetzbetreiber für insgesamt 2,7 Milliarden Euro kaufen. Damit übernehme Kabel Deutschland die Netze in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Nach der Übernahme betriebe KDG ein bundesweites Breitband-Kabelnetz und versorgte mehr als 17 Millionen Haushalte. Das Kartellamt sieht darin ein Kabel-Monopol in Deutschland: Deshalb könne die Übernahme in ihrer jetzigen Form nicht genehmigt werden, teilte die Behörde am Montag KDG in einer schriftlichen Abmahnung mit. Die endgültige Entscheidung muss das Amt bis zum 7. Oktober fällen.

Auch wenn Steindorf betont, es mache für sein Unternehmen Sinn, das Kabelnetz in seiner vollen Breite – also auch im Bereich Internet – zu nutzen, will KDG sein Geschäft eigentlich mit digitalem Fernsehen machen, das im Kabel nach und nach Standard werden soll. Da KDG dafür eine «Grundverschlüsselung» für die Kabelkunden plant, wehren sich die Privatsender massiv gegen das Vorhaben. Den Plänen zufolge müssten in Zukunft auch Sender wie RTL oder Sat.1 mit Code und Zugangskarte freigeschaltet werden, was aber nicht mit Kosten für die Zuschauer verbunden wäre.

Das Kartellamt befasst sich aber nicht nur mit der geplanten Übernahme von Ish, Iesy und Kabel Baden-Württemberg. Es ermittelt auch wegen des Verdachts auf wettbewerbswidrige Absprachen zwischen KDG und Deutscher Telekom. Die KDG soll demnach dem Konzern zugesagt haben, sich beim schnellen Internetz über das Kabelnetz zurückzuhalten, um den DSL-Anschlüssen der Telekom keine Konkurrenz zu machen.

Steindorf wies den Verdacht als «absolut unbegründet und falsch» zurück. «Es gab definitiv keine Absprachen», sagte der KDG-Chef der «Welt am Sonntag». Schon vor ein paar Tagen hatte ein Sprecher der Telekom die Vorwürfe ebenfalls zurückgewiesen. Im Ausland stellt schnelles Internet über das TV-Kabel oft eine große Konkurrenz zu DSL dar. Hierzulande ist der Markt faktisch nicht existent.

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