Abwärtstrend verlangsamt sich - Aktie im Plus
Reuters erfreut über weniger Abbestellungen

Der Umsatzrückgang im Kerngeschäft des britischen Nachrichten- und Informationskonzerns Reuters hat sich im abgelaufenen Quartal überraschend stark verlangsamt.

HB LONDON. Zudem übertrafen erstmals seit dreieinhalb Jahren die Neubestellungen der Finanz- und Medienkunden die Kündigungen.

Auch für das Gesamtjahr sagte das britische Unternehmen am Dienstag ein geringeres Minus bei den wichtigen regelmäßigen Einnahmen aus dem Verkauf von Nachrichten und Daten an Abonnenten voraus als von Branchenexperten erwartet. Für 2005 rechnet Reuters mit einer weiteren schrittweisen Geschäftsverbesserung, einige Analysten halten nun für das kommende Jahr auch ein geringes Wachstum für möglich.

Die Aktien reagierten mit kräftigen Kursgewinnen von mehr als sieben Prozent auf die Zahlen und den optimistischen Ausblick.

„Trotz unsicherer Marktbedingungen haben im abgelaufenen Vierteljahr zum ersten Mal seit dem ersten Quartal 2001 die Brutto-Verkäufe die Abbestellungen übertroffen“, erklärte Konzernchef Tom Glocer. Die regelmäßigen Einnahmen im Kerngeschäft, die mehr als 90 Prozent der Gesamterlöse ausmachen, sanken im dritten Quartal zum Vorjahr um 4,4 Prozent auf 528 Millionen Pfund (759,7 Millionen Euro), wie das Unternehmen in London mitteilte. Analysten hatten im Schnitt ein Minus von rund fünf Prozent erwartet. Die Gesamterlöse gingen auf vergleichbarer Basis um fünf Prozent auf 570 Millionen Pfund zurück und lagen damit im Rahmen der Erwartungen.

Für das Gesamtjahr prognostizierte Reuters einen Rückgang der regelmäßigen Einnahmen im Kerngeschäft von annähernd 5,5 Prozent, während Branchenexperten zuletzt sechs Prozent erwartet hatten. Diese Prognose bedeutet Reuters-Angaben zufolge für das vierte Quartal ein Minus von drei Prozent. Der mehr als 150 Jahre alte Konzern leidet seit fast drei Jahren unter drastisch sinkenden Umsätzen, da die beiden wichtigsten Kundengruppen - die Finanz- und die Medienbranche - selbst in der Krise stecken und massiv Kosten senken. Mit der allmählichen Erholung des Bankensektors hat sich in diesem Jahr aber auch der Abwärtstrend bei Reuters spürbar verlangsamt.

Die Geschäftsbelebung des Unternehmens verläuft jedoch in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. In den USA seien die Netto-Verkäufe - Neubestellungen minus Kündigungen - bereits im gesamten Jahresverlauf positiv, erklärte Glocer. Dagegen seien sie in Kontinentaleuropa weiter negativ, aber mit ersten Anzeichen für eine Verbesserung. In Großbritannien verbuchte Reuters das zweite Quartal in Folge positive Netto-Verkäufe. Mit Spannung warten Analysten auf die im Januar zur Veröffentlichung anstehenden Daten für Dezember - dem Monat, in dem die Großkunden der Finanzbranche viele ihre Investitionsentscheidungen für das nächste Jahr treffen.

„Positive Netto-Verkäufe im dritten Quartal sind wirklich eine positive Überraschung“, sagte Analyst Colin Tennant von Lehman Brothers. Wenn dieser Trend so anhalte, sei ein leichtes Umsatzwachstum 2005 denkbar. Auch die Experten von Numis schrieben in einem Kommentar, dass auf Basis dieser Zahlen eine Rückkehr zum Wachstum in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres möglich sei. Reuters-Aktien legten bis zum Mittag um mehr als sieben Prozent auf 346 Pence zu und zogen damit auch den gesamten Londoner FTSE-Index nach oben.

Reuters hatte 2003 wieder schwarze Zahlen geschrieben nach einem Rekordverlust im Jahr zuvor. Ein Grund für die Rückkehr in die Gewinnzone war ein harter Sparkurs. Glocer hatte im Februar 2003 angekündigt, innerhalb von drei Jahren rund 440 Millionen Pfund einzusparen. Der Konzern will zudem mit dem verstärkten Einsatz von Internettechnologie und der Erneuerung seiner Produktpalette die Position auf dem hart umkämpften Nachrichtenmarkt wieder stärken. Wichtigster Konkurrent ist die nicht-börsennotierte US-Finanzagentur Bloomberg.

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