Achim Berg
„Der iPhone-Anteil wird bei Microsoft bald abnehmen“

Die Zukunft Microsoft liegt in seinen Händen: Achim Berg, früherer Deutschlandchef von Microsoft, muss die neue Mobilfunkplattform des Softwarekonzerns in Rekordzeit bei den Konsumenten beliebt machen. Denn die Konkurrenz ist schon weit enteilt. Handelsblatt-Redakteur Axel Postinett sprach mit Berg in Redmond über Herausforderungen und Chancen, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.
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Handelsblatt: Herr Berg, wieviele Mitarbeiter-iPhones gibt es bei Microsoft auf dem Campus?

Achim Berg: Viele.

Wie viele?

Zu viele. Aber ich bin sicher, dass der Anteil bald sehr stark abnehmen wird.

Gut, versuchen wir es mal anders herum: Microsoft-Mitarbeiter können selbst bestimmen, welches Gerät sie kaufen. Viele iPhones sind ja eine klare Abstimmung an die eigene Strategie.

Das war ja eigentlich das beste Lehrstück für uns. Wenn die eigenen Mitarbeiter zu Wettbewerbstelefonen greifen, dann hat das Gründe und spiegelt einen generellen Trend. Über 75 Prozent der Arbeitnehmer weltweit kaufen ihre Telefone privat und nehmen sie dann ins Unternehmen mit. So rum läuft das heute. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine große Chance. Darum haben wir vor 18 Monaten einen völligen "Reset", einen Neustart, gemacht und alles auf Null gesetzt.

Und was ist dabei herausgekommen?

Ein Telefon, das zunächst sehr stark den privaten Konsumenten anspricht, aber gleichzeitig alle wichtigen Businessfunktionen wie eine komplette Office-Integration mit Sharepoint beinhaltet. Nur Verschlüsselung fehlt noch, aber die wird nachgeliefert werden. Das so hinzubekommen war die große Herausforderung.

Der Markt in den Industrieländern ist schon massiv umkämpft. Die Konkurrenz bewegt sich in Richtung Schwellenländer, Smartphones werden immer billiger. Sie starten mit hochpreisigen Geräten in Europa. Sind sie wieder zu spät?

Nein, sind wir nicht. Wir bringen ein ausgereiftes Produkt mit hoher Qualtität. Da muss man sich zum Start auf bestimmte Märkte konzentrieren. Wir starten in Europa in der "Premiumklasse", danach in den USA. Schwellenländer sind in den kommenden Monaten noch kein Thema.

HP hat sich mit Palm für läppische 1,2 Mrd. Dollar gerade eine schlüsselfertige Smartphone-Sparte gekauft. Warum hat Microsoft nicht zugegriffen und lieber alles selbst neu gemacht?

Will man komplexe Dienste wie Office, Zune Player, Xbox Live oder Windows Live nahtlos integrieren, macht es mehr Arbeit ein bestehendes System umzurüsten als ein neues aufzubauen. Außerdem hätte Palm selbst nach einer Akquisition erst einmal integriert werden müssen und das hätte Zeit gekostet, die wir nicht hatten.

Wenn man sich das alte Windows Mobile 6 anschaut, war es ironischerweise genau so strukturiert wie heute Android von Google: Hardwarevielfalt, offenes Betriebssystem, Freiheit im Gerätedesign. Sie sind damit gescheitert, Google feiert immense Erfolge. Was können die denn besser?

Es hat ja einen Grund, warum wir das Systemdesign geändert haben. Wir hatten 40 verschiedene Hersteller, über 50 verschiedene Designs und 115 Mobilfunkbetreiber. Die gesamte Produktlandschaft war zum Schluss fragmentiert und Apps (Zusatzsoftware) liefen nicht mehr auf allen Geräten. Darum machen wir jetzt Vorgaben, um eine einheitliche Plattform zu gewährleisten.

Warum ist Ihnen das erst aufgefallen, nachdem Apple das vorgemacht hat?

Dazu kann ich nicht sagen, weil ich damals noch nicht zuständig war. Aber die Lösung, die wir jetzt haben, ist die einzig richtige.

Mutig. Sie sagen damit indirekt, dass Android bald ein Problem wie einst Microsoft bekommen wird?

Jeder, der keine klare Vorgaben macht, wird in Zukunft Probleme bekommen.

Jeden Tag werden 200 000 Android-Smartphones neu aktiviert. Ist das ihre Messlatte?

Prognosen über Zahlen werden wir nicht bekanntgeben. Wir starten zunächt in 17 Ländern. Dann sehen wir weiter.

Der Nutzer ist bei vielen Online-Diensten auf Microsoft festgelegt. Glauben Sie nicht, dass es da Aversionen geben wird? Kann ich Google statt Bing als Standardsuche verwenden?

Sie können für alle Dienste einen festen Link auf der Homepage ablegen. Aber die Suchtaste ist fest mit Microsofts Bing verbunden.

Die Mobilfunkprovider feiern gerade mit Android gute Erfolge. Warum sollen die jetzt mit fliegenden Fahnen zu Microsoft überlaufen?

Ich glaube, die Zahl der Provider die von Anfang an dabei sind, spricht da für sich: Telekom, Vodafone, O2, alle Großen sind dabei.

Gartner bescheinigt Microsoft trotz neuer Software bis 2014 weitere Marktanteilsverluste bis auf 3,9 Prozent. Was sagen Sie dazu?

Da habe ich schon viele Zahlen gesehen - viele waren richtig, viele waren falsch. Warten wir ab.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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