Ad hoc
Abschalten, wörtlich

Endlich Sommerurlaub! Aber werden wir dieses Jahr so richtig abschalten können? Werden nicht immer mehr von uns heimlich den Blackberry ins Handschuhfach, den Laptop in den Koffer packen? Scheinbar ja, wenn eine Umfrage unter Angestellten der Londoner City den Trend korrekt angibt.

Endlich Sommerurlaub! Aber werden wir dieses Jahr so richtig abschalten können? Werden nicht immer mehr von uns heimlich den Blackberry ins Handschuhfach, den Laptop in den Koffer packen? Scheinbar ja, wenn eine Umfrage unter Angestellten der Londoner City den Trend korrekt angibt. Die Umfrage im Auftrag der Datenschutzfirma Credant Technologies hat ermittelt, dass 83 Prozent ihr Diensthandy oder den Blackberry mitnehmen und jeder Dritte sogar den Laptop einpackt. Zwei Drittel reisen schon mit dem festen Vorsatz ab, zwischendurch mal Kontakt zur Firma aufzunehmen und nach dem Rechten zu sehen.

Das mag den Boss mit Stolz erfüllen: Meine Leute nehmen ihren Job ernst und denken noch am Strand ans Büro. Tue ich doch schließlich auch. Aber was, wenn sie in Wirklichkeit auf die Mail vom Headhunter warten?

Nein, die beste Lösung ist folgende: Sperren Sie die Computer urlaubender Mitarbeiter und ihre E-Mail-Konten. Lassen Sie den Pförtner am Ausgang die Diensthandys einsammeln.

Wer gestresst aus dem Urlaub kommt, ist für die Firma die nächsten Monate weniger wert. Und wer nicht in den Urlaub fahren kann, ohne dass in der Abteilung alles zusammenbricht, der kann ganz offensichtlich schlecht organisieren. Merken Sie die Leute, die verzweifelt vom Münztelefon aus in der Zentrale anrufen, gleich für eine passende Weiterbildung vor.

Nicht nur die Urlauber werden von etwas fürsorglicher Strenge profitieren, auch die Daheimgebliebenen. Jeder weiß doch, wie viel leichter die Arbeit von der Hand geht, wenn sich die Zahl der E-Mails und Besprechungen im Sommer halbiert. Dieser positive Effekt droht, durch unnötige Einmischungen aus Mallorca verloren zu gehen.

Natürlich können solch drastische Aktionen schlimme Entzugserscheinungen auslösen. Aber die lassen sich leichter durchhalten, wenn man sich ehrlich die folgende Frage stellt: Mit wem werde ich es noch länger zu tun haben, mit der Firma oder mit der Familie?

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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