Aderlass beim Personal
Blackberry außer Kontrolle

Blackberry kommt nicht zur Ruhe: Der Smartphone-Hersteller mit dem deutschen Chef Thorsten Heins will offenbar erneut massenhaft Mitarbeiter entlassen. Die Zukunft des Unternehmens ist ungewisser denn je.
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DüsseldorfEs ist symptomatisch. Blackberry kündigt sein „größtes, schnellstes und fortschrittlichstes“ Smartphone an. Mit dem Z30, so verheißt die Ankündigung, seien Nutzer jeder Aufgabe gewachsen und hätten „alles unter Kontrolle“. Doch die Technikwelt redet nicht über das Gerät, sondern über Gerüchte, dass der kanadische Konzern massiv Stellen streichen will. Der Werbeeffekt: fast verpufft.

Beim Smartphone-Hersteller läuft derzeit so viel schief, dass er selbst dringend ein Z30 gebrauchen könnte, um wieder die Kontrolle zu gewinnen. Denn der Absatz ist schwach, der Verlust hoch, der Zweifel an der Zukunft groß. Ein Sonderkomitee prüft derzeit Szenarien – auch ein Verkauf steht zur Debatte, wie ihn Nokia bereits vorgemacht hat.

Die Gerüchte über eine Massenentlassung, verbreitet vom „Wall Street Journal“, passen da ins Bild: Sie seien ein Zeichen dafür, dass Blackberry Geld verbrennt, schreibt der Analyst Ben Bajarin. Jetzt müsse gespart werden, damit das Geschäft weiterläuft, bis ein Käufer für das Unternehmen gefunden ist.

Blackberry wolle 40 Prozent der Stellen streichen, schreibt das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen. Betroffen seien alle Unternehmensbereiche. Schon im Sommer habe es kleinere Entlassungsrunden gegeben. Blackberry kommentierte den Bericht nicht und erklärte lediglich, es werde weiter „organisatorische Maßnahmen“ geben.

Sollte der Bericht stimmen, setzt sich ein beispielloser Talentverlust fort. Im Jahr 2011 hatte Blackberry bereits 2000 Mitarbeiter entlassen, 2012 weitere 5000. Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen noch hat, lässt sich nicht genau beziffern. Im März waren es 12.700, seitdem hat es keine Zahlen mehr veröffentlicht.

Doch womöglich hat der kanadische Konzern keine Alternativen. Wie das Geschäft derzeit läuft, wird er erst in der kommenden Woche mit seiner Zwischenbilanz offenlegen. Die Vorzeichen sind indes düster. „Im letzten Quartal ist der Absatz deutlich zurückgegangen“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Erhebung. Gerade die frischen Geräte mit dem neuen Betriebssystem BB10 hätten sich nur mäßig verkauft. „Das ist ein Hinweis dafür, dass das letzte Quartal schlecht gelaufen ist“, sagt Zimmermann.

Kommentare zu " Aderlass beim Personal: Blackberry außer Kontrolle"

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  • Wieso Nonsens?!
    War Apple nicht auch mal auf einem steilen Weg nach unten und hat sich dann ganz neu erfunden.
    Allerdings dürfte Blackberry das nicht ohne technologische Befruchtung und Kapital von außen gelingen. Wer bleibt denn sonst noch von den großen Software-Playern? Die Größeren als SAP haben alle mittlerweile ihre Hardwareabteilungen. Wenn eine Blackberry mit seinem Technologie Knowhow richtig billig ist, kann man bei einem Zukauf als großer Softwareriese kaum einen Fehler machen. Blackberry ließe sich zur Not in kleineren Teilen weiter veräußern. Die Chance zur Profitmaximierung wäre allerdings groß.

  • SAP ist zugegebenermaßen nicht sonderlich kreativ mehr, Börsianer sehen es genauso "the share is lying dead in the water". Aber so weit sind die noch nicht runter, daß man einen Beeren-Saftladen übernehmen müsste. Nonsens.

  • Könnte eine blutende und am Boden liegende Firma Blackberry ein interessanter Zukauf für SAP sein?

    Unternehmensprozesse steuern vom Smartphone und Tablet könnte Zukunft haben, allerdings müssten evtl. Hintertüren für Geheimdienste verschlossen bzw. besser gar nicht vorhanden sein. Wenn man dann auch noch auf die eigene Fertigung, so ähnlich wie bei Apple, verzichtet könnte das sogar ein zusätzlicher Profitgenerator werden.

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