Änderung der Regeln würde hohe Kosten bei den Anbietern von Firmen- und Schul-Software verursachen
IT-Firmen hadern mit Rechtschreibung

Die Software-Hersteller sehen das Hin und Her um die deutschen Rechtschreibregeln mit wachsendem Unbehagen. Sie fürchten, dass bei einer erneuten Änderung der Vorgaben viel Arbeit und erhebliche Kosten auf sie zu kommen.

FRANKFURT/M. „Sollten die Regeln geändert werden oder es eine Rückkehr zu den alten Vorschriften geben, wäre das ein großer Aufwand für uns“, sagte ein Sprecher des weltweit größten Software-Konzerns Microsoft, und ergänzte: „Wenn es einen entsprechenden Beschluss der Kultusminister-Konferenz geben sollte, würden wir diesen natürlich umsetzen. Aber im Moment warten wir erst einmal ab.“

Auch die deutsche SAP AG – der weltweite Marktführer für Firmensoftware – verfolgt den aktuellen Streit mit großer Skepsis. In der Firmenzentrale dominiert zur Zeit die Meinung, ungeachtet der aktuellen Diskussion bei der neuen Schreibweise zu bleiben. „Wir sehen derzeit keine Veranlassung, etwas zu ändern“, sagte ein Sprecher von SAP.

Von einer erneuten Änderung der Schreibregeln wären aber nicht nur die großen Software–Hersteller betroffen, auch die zahlreichen Anbieter von Lernsoftware müssten reagieren. Firmen wie KHS-web.de in München oder der Schulbuchverlag Cornelsen haben hunderte CDs auf Lager – alle in den aktuell gültigen Schreibvarianten. „Wir haben viele Titel, die unsere Schulbücher ergänzen und dazu passen. Als Schulbuchverlag sind wir verpflichtet, den Vorgaben der Kultusminister zu folgen“, machte eine Sprecherin des Cornselsen-Verlags deutlich.

Eigentlich hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, dass vom 1. August 2005 an in allen Schulen grundsätzlich die neue Rechtschreibung angewendet werden muss. Nun fordern einige unionsregierte Länder, die Reform zu kippen und die alten Regeln wieder in Kraft zu setzen. Die Diskussion wurde angeheizt, als Anfang August die Verlagsriesen Axel Springer (Bild, Welt) und Spiegel zur alten Rechtschreibung zurückkehrten. Nun wollen die Kultusminister im Oktober über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Softwarefirmen werden die Entscheidung mit Argusaugen verfolgen. Schließlich müssten bei einer Rückkehr zum alten Regelwerk viele Programmbestandteile geändert werden. Dabei ist die Rechtschreibhilfe etwa in der weit verbreiteten Textverarbeitung von Microsoft noch das kleinste Problem. „Man kann schon heute zwischen alter und neuer Rechtschreibung wählen“, sagte ein Sprecher. Aber sämtliche Menues, Hilfen, Buttons, Erklärungen oder Glossare müssten angepasst werden. Damit nicht genug: Es könnte sogar in einzelnen Fällen zu Problemen bei der Zusammenarbeit von Computerprogrammen kommen, wenn diese mit unterschiedlicher Schreibweise arbeiten.

Auch bei SAP würde die Änderung der Schreibweise eines Wortes eine Kettenreaktion auslösen. Dann nämlich werden automatisch die Übersetzungsteams in aller Welt aktiviert und ändern sämtliche Masken und Glossare – in der Annahme, es handelt sich um eine inhaltliche Änderung. Auf diesem Wege hat SAP 1999 die damals neuen Regeln umgesetzt – ein Aufwand, den die Walldorfer nur ungern wiederholen möchten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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