Affäre um Arbeitnehmerorganisation AUB
Anklage gegen Ex-Siemens-Vorstand

In der Siemens-Affäre um Schmiergeldzahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ex-Konzernvorstand Johannes Feldmayer erhoben. Das erfuhr das Handelsblatt aus Justizkreisen. Daneben gibt es einen weiteren prominenten Angeklagten.

MÜNCHEN. Der frühere AUB-Gründer Wilhelm Schelsky ist ebenfalls angeklagt. Dessen Anwalt Jürgen Lubojanski bestätigte die Anklagen. Das Oberlandesgericht Nürnberg wollte sich nicht äußern, kündigte aber eine Erklärung für die kommenden Tage an.

Die Schmiergeldzahlungen an die AUB sind neben dem Skandal um Korruption im Ausland die zweite Affäre, die den Siemens-Konzern erschüttert. Das Unternehmen soll die AUB über Jahre mit verdeckten Zahlungen in zweistelliger Millionenhöhe alimentiert haben, um ein Gegengewicht zur IG Metall zu schaffen.

Schelsky hatte die Vorwürfe in einem Interview teilweise eingeräumt: „Ich war verdeckt als Lobbyist für Siemens tätig. Es gab einen klaren Auftrag aus der Konzernspitze. Der Plan kam aus dem Zentralvorstand.“

Ex-Siemens-Vorstand Feldmayer soll Zahlungen an Schelsky mit seiner Unterschrift angewiesen haben. Die Unterlagen ließ er sich laut Branchenkreisen an seine Privatadresse schicken. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue vor, Schelsky Beihilfe und Steuerhinterziehung.

Der AUB-Gründer sitzt in U-Haft, Feldmayer kam gegen Zahlung einer Kaution nach kurzzeitiger Inhaftierung auf freien Fuß. Er galt lange als einer der höchstangesehenen Siemens-Manager und zeitweise als möglicher Nachfolger von Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer. Feldmayers Anwalt wollte sich gestern nicht äußern, weil ihm die Anklageschrift noch nicht vorlag.

Nach Handelsblatt-Informationen muss sich Feldmayer auf Schadenersatzforderungen einstellen. Es sei mit einem Aufsichtsrats-Beschluss Ende Juli zu rechnen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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