Aggressives Wachstum
Debitel nimmt Einbußen in Kauf

Der Mobilfunk-Dienstleister Debitel will mit aller Macht neue Vertragskunden in Deutschland gewinnen und nimmt dafür 2003 entgegen der bisherigen Planung erneut einen Gewinnrückgang in Kauf. Debitel wolle vor allem den im Vergleich zu den Konkurrenten geringen Anteil von Kunden mit festen Verträgen ausbauen, teilte die Tochter der schweizerischen Swisscom am Mittwoch mit.

Reuters STUTTGART. „Das aggressive Wachstum wird im zweiten Halbjahr Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung hinterlassen“, räumte Finanzchef Hermann Roemer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf die steigenden Vertriebskosten ein. Der größte Anbieter ohne eigenes Netz werde jedoch ein deutlich positives Ergebnis erzielen. 2002 hatte Debitel 68 Mill. € vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdient und für 2003 ein moderates Gewinnwachstum in Aussicht gestellt.

Im ersten Halbjahr sank der Gewinn vor Zinsen und Steuern um sieben Prozent auf 24 Mill. €, in Deutschland brach das Ebit vor allem wegen der Kundenbindungs- und Werbeaktionen um 23 % auf 20 Mill. € ein.

Ausgaben zur Kundengewinnung erhöht

Im ersten Halbjahr habe Debitel allein 114 Mill. € ausgegeben, um 270 000 (Vorjahr 158 000) bestehende Kunden mit Vergünstigungen - etwa kostenlosen Handys - zur Verlängerung ihrer Verträge zu bringen und neue Vertragskunden zu gewinnen, sagte Vorstandschef Peter Wagner. Vor einem Jahr waren es noch 64 Mill. € gewesen. 53 % der neuen Kunden hätten inzwischen feste Handy-Verträge, der Anteil der Vertragskunden sei auf 37 (Vorjahr: 33) Prozent gestiegen. „Um diese Position auszubauen, sind mittel- und langfristige Perspektiven für das Unternehmen wichtiger als kurzfristige Ergebnisse“, so Wagner.

Seit Jahresbeginn 2003 habe Debitel 550 000 Vertragskunden gewonnen, mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Weil zugleich 600 000 Anschlüsse inaktiver Kunden mit im Voraus bezahlten Karten (“Prepaid“) abgeschaltet wurden, stieg die Kundenzahl bis Ende Juni nur um sechs Prozent auf 10,2 Millionen. In Deutschland konnten im Vergleich zum Vorjahr rund 200 000 Kunden auf 7,9 Mill. hinzugewonnen werden.

Debitel erwägt Ausgliederung von Unternehmensteilen

Der Konzernumsatz kletterte in den ersten sechs Monaten um elf Prozent auf 1,45 Mrd. €, in Deutschland waren es 14 % mehr als vor einem Jahr. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet Debitel nach Angaben von Roemer weiter einen prozentual einstelligen Umsatzzuwachs.

Unterdessen erwägt Debitel nach Angaben von Vorstandschef Wagner die Ausgliederung mehrerer Unternehmensbereiche, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Dazu gehört neben dem Forderungsmanagement und der Reiseabteilung auch die Betreuung der Prepaid-Kunden. „Wir sind im Analyseverfahren“, bestätigte Wagner teilweise entsprechende Zeitungsberichte. Entscheidungen gebe es noch nicht. Dadurch könne sich ein Personalabbau „von null bis 300“ ergeben.

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