Airwave-Verkauf
Telefónica füllt die Kriegskasse

Der Verkauf der britischen Tochter Airwave hat dem spanischen Telekomkonzern Telefónica fast drei Milliarden Euro eingebracht. Damit haben die Spanier nun die nötigen Mittel für einen möglichen Einstieg bei der Telecom Italia. Zusammen mit dem italienischen Ex-Monopolisten könnte Telefónica die Deutsche Telekom als Europas Marktführer ablösen.

LONDON/DÜSSELDORF. Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica hat mit dem Verkauf der britischen Tochter Airwave seinen finanziellen Spielraum für Zukäufe erweitert. Die Einnahmen von knapp drei Mrd. Euro zusammen mit weiteren Milliardenerlösen aus dem bevorstehenden Verkauf der Fernsehproduktionsfirma Endemol geben dem Konzern die nötigen Reserven für einen möglichen Einstieg bei Telecom Italia. Hinzu kommen noch 25 Mrd. Euro an Schuldtiteln, die die Spanier in den kommenden fünf Jahren auf den Markt bringen wollen.

Der Verkauf von Airwave, dem Betreiber geschlossener Funknetze für die britische Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte, kommt nicht unerwartet. Das Geschäft ist mit der Übernahme des britischen Mobilfunkers O2 im vergangenen Jahr zu Telefónica gekommen. Über das Airwave-Netz telefonieren derzeit rund 220 000 Nutzer. Käufer sind zwei Infrastrukturfonds des australischen Finanzinvestors Macquarie. Für sie ist Airwave wegen der berechenbar wachsenden Umsätze und Erträge interessant. Macquarie ist mit der Tochter Arqiva bereits der führende Betreiber von Mobil- und Rundfunkinfrastruktur in Großbritannien.

Anfang Mai will Telefónica-Chef César Alierta auch einen Käufer für die Tochter Endemol vorstellen. Im Jahr 2000 hatte Telefonica die Produktionsgruppe für 5,5 Mrd. Euro erworben, heute wird die vor allem durch „Big Brother“ bekannte Produktionsfirma noch auf allenfalls drei Mrd. Euro geschätzt. Doch auch dieses Geld füllt die Kriegskasse.

Telefónica hat mit rund 50 Mrd. Euro mehr Schulden als die anderen früheren Staatsfirmen der europäischen Telekom-Branche. Alierta hat deshalb angekündigt, sich in diesem Jahr auf den Abbau des vor allem durch den O2-Kauf aufgehäuften Schuldenbergs zu konzentrieren. Doch ein Einstieg bei Telecom Italia ist ein langgehegter Wunsch der Spanier, und nach dem Rückzug von AT&T und America Moviles scheint ein Zuschlag wieder in greifbarer Nähe. Analysten sehen in einer italienisch-spanischen Kombination die beste Lösung. Doch Telefónica hält sich bedeckt.

Telecom Italia ist der erste größere Ex-Monopolist, der im Rahmen der Konsolidierung des europäischen Telekommunikationsmarktes zum Verkauf steht. Großaktionär Pirelli sucht derzeit einen Erwerber für 80 Prozent an der Holding Olimpia, die wiederum 18 Prozent der Telecom-Italia-Aktien besitzt. Zusammen mit Telecom Italia könnte Telefónica die Deutsche Telekom als Europas Marktführer ablösen. Im Mobilfunk ist Italien ein wichtiger Markt, auf dem es allerdings schon heute mehr Handy-Verträge als Einwohner gibt, so dass das Wachstumspotenzial nur noch gering ist. Im Festnetz kämpft Telecom Italia ebenso wie die anderen ehemaligen Staatskonzerne mit schrumpfenden Umsätzen.

Interessant ist jedoch die profitable brasilianische Mobilfunktochter, die einen Marktanteil von 25 Prozent hat. Telefónica teilt sich dort mit der Portugal Telecom den Marktführer Vivo. Würde Telefónica die Kontrolle über Telecom Italia erlangen, könnten die Spanier durch einen Tausch die Mehrheit an Vivo erlangen. Zu diesem Ziel hat sich Alierta schon mehrfach bekannt.

Auch in Deutschland würde den Spaniern der Erwerb von Telecom Italia nutzen: Hierzulande ist die Telecom-Italia-Tochter Hansenet mit ihrer Marke Alice Nummer drei auf dem DSL-Markt. Telefónica bietet in Deutschland im Verbund mit O2 ein Paket aus DSL-Anschluss und Mobilfunkvertrag an.

Telefónica hätte jedoch mit politischen Widerständen zu rechnen. Die Regierung Prodi hat sich gegen einen Verkauf der Telecom Italia ins Ausland ausgesprochen. Gestern bot sich nun ausgerechnet Mediaset, der Konzern von Prodis Vorgänger und Erzrivalen Silvio Berlusconi als nationale Lösung an.

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