Aktie fällt
Ebay verzeichnet Erfolge beim Konzernumbau

Das Internet-Auktionshaus Ebay hat zwar im abgelaufenen Quartal die Erwartungen übertroffen, jedoch mit seinem Ausblick enttäuscht. Vor allem auf der Gewinnseite sieht es nicht gut aus. Die Aktie des Online-Händlers geriet nachbörslich schwer unter Druck.

NEW YORK. Der radikale Unternehmensumbau beim Onlinehändler Ebay zeigt Wirkung. Die Umsätze stiegen zwischen Juli und September um sechs Prozent auf 2,24 Mrd. Dollar – in den drei vorangegangen Quartalen waren sie noch kräftig gesunken. Ebay-Chef John Donahoe sieht das als Bestätigung seines Kurses. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er daran, den schwächelnden Web-Basar wieder auf Kurs zu bringen. Donahoe verkauft Unternehmensteile und richtet das Kerngeschäft neu aus. Am Ziel ist er trotz der Fortschritte noch längst nicht: Der Nettogewinn lag im dritten Quartal mit 350 Mio. Dollar 29 Prozent unter dem Vorjahreswert. Und der Druck der Konkurrenz ist groß.

Internetauktionen – lange Zeit Ebays Kerngeschäft und Alleinstellungsmerkmal – sind bei weitem nicht mehr so angesagt wie früher. Viele Kunden kaufen lieber bei Internetkaufhäusern wie Amazon. Der ehemalige Unternehmensberater Donahoe hat seinen weltweit rund 15 000 Mitarbeitern deshalb klare Ziele vorgegeben.

So wird sich Ebay in Zukunft noch stärker auf den Verkauf von Waren zu Festpreisen konzentrieren, vor allem von Restposten. „Wir haben geglaubt, Versteigerungen sind eine Religion“, kritisiert Donahoe in einem Interview die alte Marschrichtung. Dabei macht das Unternehmen nur noch rund 25 Prozent seines Umsatzes mit Onlineauktionen. Dieser Anteil werde in den nächsten Jahren weiter sinken und sich dann auf einem niedrigen Niveau einpendeln, glaubt Morningstar-Analyst Larry Witt.

Zudem soll Ebays Onlinebezahldienst Paypal in den Mittelpunkt rücken. Im dritten Quartal verbuchte Ebay dort 19 Prozent mehr Konten und ein Umsatzplus von 15 Prozent.

„Paypal ist ein Juwel“, schwärmte Donahoe bereits Mitte September im US-Fernsehen und sieht nicht nur im eigenen Haus weiteres Potenzial für den Onlinedienst. Auch die Konkurrenz lässt ihre Kunden über Paypal Ware bezahlen. 44 der größten 100 US-Einzelhändler akzeptieren Paypal bereits als Zahlungsmethode, Tendenz steigend.

Weniger zukunftsträchtige Geschäftsbereiche stößt der 49-jährige Ökonom mit Stanford-MBA radikal ab. Im Frühjahr verkaufte er den Linkverwalter Stumbleupon, gerade trennt sich Ebay von der Mehrheit der Anteile an dem Onlinetelefonieanbieter Skype, für die eine Investorengruppe um die Private-Equity-Gesellschaften Silver Lake und Andreessen Horrowitz 1,9 Mrd. Dollar bezahlt. Erschwert wird das jedoch durch eine Klage der Skype-Gründer wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen. Donahoe zufolge soll der Verkauf aber in den nächsten Wochen abgeschlossen werden.

Branchenkennern zufolge wird es noch dauern, bis der Zuwachs aus dem Geschäft mit Fixpreisartikeln die fallenden Umsätze aus den Onlineauktionen kompensieren werden. „Ebay muss sich neu positionieren und das Vertrauen neuer Kunden gewinnen“, sagt Morningstar-Analyst Witt. Und die Konkurrenz ist groß. Nicht nur Amazon zieht Ebay die Kunden ab. Auch der Discounter Wal-Mart mischt mit. Der größte Einzelhändler der Welt will mit seinem Online-Shop zum führenden Internetkaufhaus des Landes aufsteigen und drückt aggressiv die Preise. Donahoe will im November eine große Marketingkampagne starten, die das neue Ebay anpreisen soll. Im vergangenen Jahr enttäuschte Ebay mit einem schwachen Weihnachtsgeschäft. In diesem Jahr muss das anders werden.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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