Aktie gibt nachbörslich nach
Dell-Gewinn enttäuscht

Vor knapp zehn Monaten übernahm Michael Dell wieder die Führung der von ihm gegründeten Dell Inc. Er wechselte seither fast die gesamte Spitze aus und änderte das Geschäftsmodell. Die Vorlage der Zahlen für das dritte Geschäftsquartal und die erste Ergebniskonferenz seit einem Jahr wurden deshalb mit Spannung erwartet. Die erhoffte positive Überraschung blieb indessen aus.

NEW YORK. Für das dritte Quartal ihres laufenden Geschäftsjahres 2008 meldet Dell einen Reingewinn von 766 Mill. Dollar gegenüber 601 Mill. im Vorjahr. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 15,6 Mrd. Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 15,35 Mrd. Dollar Erlösen gerechnet. Obwohl Dells Gewinn pro Aktie gegenüber dem schwachen Vorjahr um 26 Prozent auf 34 Cents pro Aktie zunahm, blieb er unter den Erwartungen von 35 Cents pro Anteil. Wie bereits in den Vorquartalen nannte Dell keine Zahlen für die erwartete weitere Geschäftsentwicklung.

Der Kurs, der in der regulären Sitzung zugelegt hatte, gab im nachbörslichen Handel deutlich nach.

Seit der Rückkehr von Michael Dell hat der zweitgrößte Personalcomputer-Hersteller der Welt sein auf Direktverkauf fokussiertes Geschäftsmodell geändert und 1,4 Mrd. Dollar in die Akquisition des Datenspeicher-Spezialisten EqualLogic investiert. Dazu wirbt Dell heute aggressiver denn je um Privatkunden. Der Konzern schloss Vertriebsabkommen mit dem führenden Discounter Wal -Mart und der Büroartikel-Kette Staples und bietet seine Rechner nicht mehr nur in grauen oder schwarzen Kästen an.

Wie es jetzt hieß, konnte Dell ihre Führungsposition im Firmengeschäft mit PC behaupten und den Verkauf von Laptops deutlich steigern. Gleichwohl weitete Erzrivale Hewlett -Packard seinen Vorsprung vor Dell im dritten Quartal weiter aus. HP steigerte ihren Anteil am weltweiten PC-Markt nach Angaben der Marktforschungsfirma iSuppli gegenüber dem Vorjahr von 16,5 auf 19,1 Prozent, während Dell von 16,3 auf 14,6 Prozent zurückfiel.

Dells bestes Verkaufsargument sind immer noch niedrigere Preise als die Konkurrenz aufgrund einer extrem durchrationalisierten Produktion. Besserer Service, die Einschaltung von Zwischenhändlern und verfeinerte Produkte heben indessen die Kosten und drücken entsprechend auf die Gewinnmarge.

Nachdem Dell über mehrere Quartale wegen Probleme mit der Bilanzierung keine offiziellen Ergebnisse bei der Finanzaufsicht SEC einreichte, wurden interne Ermittlungen mittlerweile abgeschlossen und führten zu einer relativ milden Korrektur früherer Zahlen. Die SEC und das US-Justizministerium ermitteln indessen weiter.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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