Aktie im Keller
Infineon verkommt zum Penny-Stock

Kurz nach dem Börsengang vor acht Jahren gehörte Infineon zu den Stars am Parkett. Doch seitdem hat der Börsenwert des Chipherstellers extrem nachgelassen, die Aktie innerhalb weniger Jahre verlor rund 99 Prozent. Nun drohen die Münchener sogar aus dem Dax zu fliegen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Der rapide Wertverlust der Infineon-Aktie ruft die Deutsche Börse auf den Plan: Der Chiphersteller könnte schon bald aus dem Dax fliegen. Gestern kostete die Aktie noch 80 Cents und damit so wenig wie noch nie. Vor acht Jahren bezahlten Anleger den Titel noch mit mehr als 80 Euro.

Das Kursdesaster wurde durch tief rote Zahlen und einen enttäuschenden Ausblick ausgelöst. Hinzu kommt ein schlechtes Geschäft in der Chipbranche. Für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September zu Ende geht, rechnet Vorstandssprecher Peter Bauer mit einem Umsatzminus von mindestens 15 Prozent und einem Verlust. Schon das abgelaufene Geschäftsjahr war ein Desaster: Einem Umsatz von 4,3 Mrd. Euro stand ein Minus von 3,1 Mrd. gegenüber.

Sollte sich die Aktie in den nächsten Wochen nicht deutlich erholen, dürfte sie sich schon bald im Technologie-Index TecDax wiederfinden. Denn die Deutsche Börse prüft am 4. März, wie die Unternehmen in den führenden Börsenindizes Dax, MDax, SDax und TecDax gemessen an Marktkapitalisierung und Umsatz dastehen. Sollte dabei ein Dax-Wert in einem der beiden Kriterien schlechter als Rang 45 abschneiden, droht der Rauswurf aus der Beletage.

Zuletzt reichte es für Infineon beim Börsenwert noch zu Platz 40, beim täglichen Aktienumsatz sogar für Rang 24. Das war allerdings vor der neuerlichen Kurshalbierung. Heute ist Infineon noch 600 Mio. Euro an der Börse wert. Kurz nach dem Börsengang im Jahr 2000 waren es 57 Mrd. Euro.

Retten könnte Infineon allerdings die missliche Lage vieler heißer Wettbewerber um die Dax-Mitgliedschaft. Momentan drängt sich niemand für einen Aufstieg auf. Kein Unternehmen erfüllt die Bedingung, bei Börsenumsatz und Marktkapitalisierung mindestens zu den 35 bedeutendsten Konzernen zu gehören. Unternehmen wie der Baukonzern Hochtief und der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kommen zwar auf eine ausreichende Marktkapitalisierung, erfüllen aber nicht die Kriterien beim täglichen Börsenumsatz. Große Chancen, Infineon zu verdrängen, hatte bislang der Solarspezialist Q-Cells. Doch nach der gestrigen drastischen Gewinnwarnung verlor das Unternehmen mehr als 20 Prozent an Wert. Aussichtsreichster Kandidat bleibt damit Fresenius. Das relativ schwankungsarme Schwergewicht im MDax rangierte zuletzt nach Börsenwert auf Rang 27 und nach Umsatz auf Rang 35. Dabei gilt die Pharmaholding als wenig attraktiv: Die größere und bedeutendere Tochter, der Dialysespezialist FMC, ist bereits seit langem im Dax vertreten.

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