Aktie stürzt ab
Balda-Aktionär: „Wir sind belogen worden“

Die Verluste aus der bereits verkauften Produktion von Mobiltelefon-Schalen bringen den Handyausrüster Balda in akute Geldnot. Dies drückt den Börsenwert des Unternehmens um 30 Prozent. Anleger und Analysten sind alarmiert.

DÜSSELDORF. Die Zukunft der Balda AG steht auf der Kippe. Nach wochenlangen Bekundungen der Unternehmensleitung, der ostwestfälische Handy-Ausrüster habe alle Probleme im Griff und befinde sich auf Erfolgskurs, muss Balda nun das Gegenteil verkünden. Um kurz nach zwei Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch meldete das Unternehmen aus Bad Oeynhausen in einer Börsenmitteilung, die bestehende Liquidität reiche derzeit nicht aus. Balda droht die Zahlungsunfähigkeit.

Die Nachricht verärgerte Anleger und Analysten. "Wir sind belogen worden", sagte ein Großaktionär dem Handelsblatt. "Das werden wir uns nicht gefallen lassen." Analyst Thomas Langer von der WestLB sagte: "Offensichtlich lässt der von Balda geschlossene Vertrag massive Fragen offen. Das Ganze scheint ein Fass ohne Boden."

Wie bereits in den vergangenen Wochen blieb auch gestern ungeklärt, welche konkreten Forderungen Balda in die Enge getrieben haben. Die Balda AG hatte ihr Tochtergesellschaft Balda Solutions zum 31.12.2007 an die Firma KS Plastics verkauft. Die Tochter, die Plastikschalen für Handys herstellt, machte in der Vergangenheit das Kerngeschäft von Balda aus. Nach einer harten Sanierung hat sich die Muttergesellschaft nun aber Asien zugewandt: Dort stellt Balda weiter Handy-Gehäuse her, und die Tochter TPK produziert berührungsempfindliche Bildschirme (Touch-Screens). Zu den Großkunden zählt unter anderem Apple mit seinem iPhone. In seiner neuen Ausrichtung rechnet Balda 2008 bei einem Umsatz von 414 Mill. Euro mit einem Vorsteuergewinn von 24 Mill. Euro.

Bei dem Verkauf des europäischen Plastikgeschäfts war von vornherein klar, dass Balda dem Abnehmer eine Mitgift zahlen muss. Rund 250 von 500 Stellen in Deutschland sollten wegfallen - hierfür mussten Rückstellungen für Abfindungen gebildet werden. Außerdem übernimmt die Balda AG über einen Abführungsvertrag die Verluste der Tochter für 2007. Deren Betriebsergebnis wurde angegeben mit minus 12,5 Mill. Euro. Balda -Chef Joachim Gut sprach stets von einem "kleinen zweistelligen Millionenbetrag", den Balda für die Tochter zahlen müsse.

Nun allerdings ist von einem Mehrfachen die Rede. Durch unvorhergesehene Abschreibungen bei der Tochter soll sich das Minus auf bis zu 40 Mill. Euro aufgebläht haben. So viel kann die Mutter aber nicht zahlen. Zum Ende des dritten Quartals hatte die Balda AG liquide Mittel von knapp 13 Mill. Euro. Die Veröffentlichung der Zahlen für das Gesamtjahr wurde gestern auf unbestimmte Zeit verschoben.

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