Aktienkurs bricht ein
Kartellamt stört Zweisamkeit von Premiere und Arena

An der Börse war die Anfang Februar geschlossene Partnerschaft von Premiere und Arena blendend angekommen. Anders dagegen beim Kartellamt. Weil die Wettbewerbshüter Bedenken hegen, legen die beiden Bezahlsender ihre Kooperation beim Vertrieb teilweise auf Eis. Mit der Aktie geht es am Mittwoch talwärts.

HB FRANKFURT. Die Pay-TV-Sender Premiere und Arena müssen wegen kartellrechtlicher Probleme ihre Vertriebskooperation zur Übertragung der Fußball-Bundesliga teilweise auf Eis legen. Nach Rücksprache mit den deutschen Wettbewerbshütern hätten die Medienunternehmen sich zu diesem Schritt entschlossen, teilten sie am Mittwoch gut zwei Monate nach der Vereinbarung ihrer Zusammenarbeit mit. Betroffen davon sei die Vermarktung an Satelliten-Kunden.

Premiere-Investoren bekamen umgehend zittrige Hände und verkauften massiv Aktien. Der Kurs brach in der Spitze um rund neun Prozent auf 15,59 Euro ein, die Aktie war klar größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Sollte die Vertriebsvereinbarung nämlich platzen, wären nicht nur die Geschäftspläne der Firmen in Gefahr. Auch könnte der Einstieg der Arena-Mutter Unity Media bei Premiere mit 16,7 Prozent der Aktien scheitern. Das Bundeskartellamt wollte sich zu seinen konkreten Bedenken nicht äußern. Die Behörde kündigte aber an, die am 8. Februar verkündete Vereinbarung von Arena und Premiere in allen Einzelheiten zu prüfen. Hierfür habe man zunächst eine Zeitspanne bis Ende Mai angesetzt. Eine Verlängerung der Prüfung wollte eine Sprecherin auf Anfrage nicht ausschließen.

Premiere war bei der Vergabe der Bundesliga-Rechte ursprünglich leer ausgegangen und hatte gegen Arena den Kürzeren gezogen. Durch die Kooperation mit Arena konnte der Sender seinen Kunden aber doch wieder Live-Fußball der höchsten deutschen Spielklasse über die eigene Plattform zeigen. Im Gegenzug sollte die Arena-Mutter Unity Media über eine Kapitalerhöhung größter Premiere-Aktionär werden. Das Aktienpaket sollte an ein unabhängiges Finanzinstitut übertragen werden, das als Treuhänder fungiert hätte.

Premiere hält an Prognose fest, WestLB stuft Aktie herunter

Beide Bezahl-Fernsehsender kündigten nun an, die Vermarktung von Arena an Satelliten-Kunden von Premiere auszusetzen. Bereits verkaufte Abonnements seien aber nicht betroffen, ebenso wenig die weiter laufende Verbreitung von Arena über das Kabelnetz. Premiere erklärte zudem, beide Unternehmen wollten die Bedenken des Kartellamts so schnell wie möglich ausräumen. „Spätestens bis zum 31. Mai 2007 wollen die Vertragspartner ein kartellrechtlich unbedenkliches Modell entwickeln“, hieß es.

Die Premiere-Führung hält trotz der wettbewerbsrechtlichen Probleme zumindest vorerst an ihren Geschäftszielen fest. Es sei zu früh, um die Prognosen zu ändern, sagte ein Sprecher des Münchener Unternehmens. Sollte es überhaupt zu einem solchen Schritt kommen, werde dieser anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal erfolgen. Diese ist für den 10. Mai angesetzt. Im Februar hatte der Sender angekündigt, dank der Kooperation mit Arena 2007 bei einem Umsatz von 1,1 Mrd. Euro einen operativen Gewinn (Ebitda) von 120 bis 140 Mill. Euro einfahren zu wollen. Auch Unity Media hatte sich Impulse von der Zusammenarbeit erhofft und erklärt, früher als geplant bereits 2007 in die schwarzen Zahlen kommen zu wollen. Ein Sprecher der Arena-Muttergesellschaft ließ am Mittwoch offen, ob diese Zielvorgabe weiter bestand hat.

In einer ersten Reaktion senkten die Analysten der WestLB am Mittwoch ihre Einstufung der Premiere-Aktie auf Hold (zuvor Add) und kündigten an, das Kursziel von 17,50 Euro zu überprüfen. Zwar seien den Unternehmensangaben zufolge bestehende Verträge nicht betroffen, das Potenzial im Neukundengeschäft werde damit jedoch begrenzt, hieß es zur Begründung.

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