Aktienkurs des angeschlagenen Elektronikhändlers bricht erneut ein
Zweifel an Aldi-Auftrag belastet Medion

Der Druck auf den Elektronikhändler Medion nimmt zu. Gestern brach die Aktie des Essener Unternehmens zeitweise um mehr als 15 Prozent ein. Auslöser des Kurssturzes war ein Magazinbericht, wonach Medion im Frühjahr einen Großauftrag der Discounter-Kette Aldi Süd für das Weihnachtsgeschäft verloren habe.

jojo/HB MÜNCHEN. Das „Manager Magazin“ hatte ohne Angabe einer Quelle berichtet, die Supermarktkette habe bereits am Jahresanfang einen Auftrag über 100 000 Fernseher nicht an Medion, sondern an zwei türkische Wettbewerber vergeben. Aldi ist der mit Abstand wichtigste Kunde von Medion. Durch Aldi kletterte der Elektronikvermarkter in wenigen Jahren auf Rang drei der größten Computerverkäufer in Deutschland – hinter Fujitsu Siemens und Hewlett- Packard.

Medion bezeichnete den Bericht gestern als „haltlos“. Das Unternehmen teilte zudem mit, dass am Jahresanfang grundsätzlich nicht über größere Weihnachtsgeschäfte verhandelt werde. Die Kundenbeziehung zu Aldi sei intakt und stehe auf einer soliden Basis.

Den Kurseinbruch konnte Medion mit dieser beschwichtigenden Aussage allerdings nicht verhindern. In einem richtungslosen Markt erholte sich das Papier gegen Handelsschluss zwar wieder, lag aber noch immer mit mehr als zehn Prozent im Minus bei rund 15 Euro.

Die Meldung sorgte an den Börsen vor allem deshalb für großes Aufsehen, weil Aldi traditionell auf langfristige Lieferantenbeziehungen Wert legt. Sollte Medion einen Auftrag an die Konkurrenz verloren haben, so könnte dies zu dauerhaften Umsatzausfällen führen, lautet das Kalkül der vorsichtig gewordenen Investoren.

Ende Juli ist das einstige Vorzeige-Unternehmen bei den Anlegern in Ungnade gefallen. Erstmals war Medion gezwungen, für das zweite Quartal einen Ergebnisrückgang zu melden. Noch schlimmer: Die Essener mussten ihre Prognose für das laufende Jahr senken. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Umsatz und Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr sinken würden, hieß es im Quartalsbericht.

Zuvor hatte das Management den Aktionären ein zweistelliges Plus in Aussicht gestellt. Ausschlaggebend für den schwachen Geschäftsverlauf sei der Druck auf Preise und Gewinnspannen auf dem Heimatmarkt Deutschland. Hier erzielt Medion mehr als 60 Prozent aller Einnahmen. Im zweiten Quartal fiel der Umsatz in Deutschland um 6,5 Prozent auf 770 Mill. Euro.

Die Börse reagierte damals brutal: Die Aktie stürzte ab und hat seither rund die Hälfte an Wert verloren. Im Vergleich zum Höchststand im vergangenen Herbst von knapp 40 Euro ging es seither sogar um fast 60 Prozent nach unten.

Den Essenern half auch wenig, dass sie jüngst einen Großauftrag von Disney an Land zogen. Medion liefert dem US-Unterhaltungskonzern den so genannten „Dream PC“ im Mickey-Mouse-Design. Die Analysten der Hypo-Vereinsbank bewerteten dies als wichtigen Fortschritt in der Expansionsstrategie der Firma in den USA. Deshalb stuften die Experten die Aktie von „underperform“ auf „neutral“ nach oben.

Jahrelang schwamm Medion auf einer Welle des Erfolgs. Die Deutschen rissen sich in den Aldi-Läden um die Medion-Rechner. Mitunter waren die Geräte nach wenigen Minuten vergriffen. In jüngster Zeit aber schien der Markt gesättigt, oft waren die PCs noch nach Tagen zu haben. Nicht viel anders sieht es bei Unterhaltungselektronik aus, dem zweiten wichtigen Standbein. Die Essener verkaufen ihre Geräte nicht im Fachhandel, sondern nur durch einzelne Verkaufsaktionen großer Handelskonzerne wie Aldi. Die Waren bezieht Medion direkt von den Herstellern in aller Welt.

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