Aktiensturz
Anleger und SEC gehen gegen Groupon vor

Eben erst hat Groupon eine Sammelklage beigelegt, schon rückt dem Internetkonzern eine neue Gruppe Kanzleien auf den Pelz. Sie vermuten Verstöße gegen das Wertpapierrecht. Das ruft auch die Börsenaufsicht auf den Plan.
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San FranciscoDer Ärger nimmt kein Ende und die Aktie stürzt ab: Mehrere US-Anwaltskanzleien werfen dem Internetkonzern Groupon falsche oder irreführende Angaben zur Geschäftsentwicklung vor und wollen eine Sammelklagen vor Gericht einreichen. Die Börsenaufsicht SEC soll laut „Wall Street Journal“ ebenfalls Untersuchungen eingeleitet haben.

Erst am Freitag hatte der Konzern Quartalszahlen rückwirkend nach unten korrigiert und eine „substanzielle Schwäche“ bei den internen Kontrollen des Jahresabschlusses festgestellt. Anleger können jetzt hoffen, einen Teil ihrer Kursverluste wieder zurückbekommen.

Die Aktie von Groupon reagierte am Montag auf die Flut von schlechten Nachrichten mit einem Kurssturz von fast 17 Prozent auf 15,27 Dollar. Damit liegt der Wert deutlich unter dem Ausgabekurs von 20 Dollar, der bisherige Höchststand war bei 26,19 Dollar.

Am Freitag waren der Umsatz für das vierte Quartal 2011 rückwirkend um 14,3 Millionen Dollar nach unten korrigiert worden, das operative Ergebnis fällt jetzt 30 Millionen Dollar niedriger aus, der Nettogewinn des Quartals 22,6 Millionen Dollar. Groupon bestätigte zwar ausdrücklich die für das laufende Quartal gemachten Vorhersagen, aber das half nichts.

Die Kurse sackten durch, zahlreiche Analysten stuften die Bewertung der Aktie herunter, rieten lieber noch etwas abzuwarten mit einem Kauf. Vor allem, weil man auch abwarten wolle, bis die eingeräumten massiven Schwächen in der Finanzbuchhaltung abgestellt seien. Sam Hamadah, Gründer der Investmentfirma PrivCo erklärte auf Bloomberg TV: „Diese Firma ist einfach noch nicht reif für die Börse“ - und verlangte den Rücktritt des Finanzvorstands. Analyst Ken Sena von Evercore Partners korrigierte sein Kursziel für das Papier von 28 auf 20 Dollar. Er schließt weitere Korrekturen bei der Bilanzierung nicht mehr aus.

Die auf Aktionärsklagen spezialisierte Kanzlei Ryan & Maniskakis LLP vermutet Verstöße gegen das US-Wertpapierrecht. Neben mindestens vier anderen Kanzleien wirft sie dem Management vor, falsche Angaben gemacht und die Anleger durch unrichtige Angaben getäuscht zu haben. Groupon musste bereits einmal auf Druck der US-Börsenaufsicht seinen Börsenprospekt ändern. Anleger, die zwischen dem 4. November 2011 und dem 30. April 2012 Groupon-Aktien gekauft haben, können sich an die Kanzleien wenden und der Sammelklage beitreten.

Erst am Montag hatte der Schnäppchenkonzern aus Chicago eine andere Sammelklage beigelegt, bei der es um unzulässige Verfallsdaten für Rabatt-Coupons ging. Gegen eine Zahlung von 8,5 Millionen Dollar wurde das Verfahren um zu kurze Laufzeiten eingestellt und das Unternehmen verpflichtete sich für die Dauer von drei Jahren, nicht mehr als zehn Prozent seiner Rabattangebote mit einer Verfallszeit von weniger als dreißig Tagen zu verkaufen.

Eine Entlastung für den Aktienkurs könnte eine Verlängerung der Haltfrist für viele Großaktionäre und Groupon-Manager sein. Die vereinbarte 180-Tage-Frist wäre am 2. Mai ausgelaufen, wurde jetzt aber noch einmal bis zum 1. Juni 2012 verlängert. Der Trick: ursprünglich war vereinbart worden, dass sich die Haltefrist verlängert, wenn innerhalb von 16 Tagen nach Auslaufen eine wichtige Unternehmensmitteilung ansteht. Jetzt hat Groupon für den 14. Mai die Verkündung der Quartalszahlen festgesetzt.

Damit gewinnt Gründer und CEO Andrew Mason mehr Zeit, um die Situation wieder zu beruhigen, bevor ein neuer Schwall von Aktien die Börse überfluten und die Kurse weiter Fräcken könnte. Der Verkaufstermin Anfang Juni könnte sich jedoch ebenfalls als schwierig erweisen. Schließlich liegt er nicht weit entfernt vom erwarteten Fünf-Milliarden-Dollar-Börsengang von Facebook im Mai.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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