Aktionäre fordern Neuanfang
Yahoo-Chef bettelt um Übernahme

Die Neuordnung der Internet-Werbeindustrie tritt in ihre entscheidende Phase. Yahoo, die Nummer zwei des Marktes, erklärte sich am Donnerstag zu Übernahmeverhandlungen mit dem Softwarehersteller Microsoft bereit. "Das Beste, was Microsoft heute tun kann, ist, Yahoo zu kaufen", sagte Konzernchef Jerry Yang auf einer Konferenz in San Francisco.

DÜSSELDORF. Zuvor hatte Marktführer Google die geplante Kooperation mit Yahoo bei der Suchmaschinenwerbung überraschend abgesagt und damit die Hoffnung Yangs auf hohe Zusatzeinnahmen zerstört. Das Unternehmen begründete seinen Rückzieher mit dem Widerstand der US-Wettbewerbsbehörden. Google wollte damit ein langwieriges Verfahren vor Gericht vermeiden.

Microsoft hatte bereits im Frühjahr ein Angebot in Höhe von 44,6 Mrd. Dollar für Yahoo vorgelegt. Der drittgrößte Vermarkter von Onlinewerbung wollte dadurch den Rückstand auf Google verkürzen, scheiterte aber nach monatelangem Kampf am Widerstand des Yahoo-Managements. Als Teil seiner Abwehrstrategie hatte Konzernchef Yang im Juni die Kooperation mit Google eingefädelt. Diese hätte Yahoo erlaubt, Werbung von Google auf seinen Seiten zu platzieren.

Die Zeit des Pokerns scheint jetzt vorbei zu sein, denn Yahoo steht mit dem Rücken zur Wand: Seit der Ablehnung der Übernahmeofferte Microsofts war der Aktienkurs von rund 30 bis auf knapp elf Dollar gefallen. Im dritten Quartal 2008 schrumpfte das Umsatzwachstum auf drei Prozent, nach 14 Prozent im Vorjahr. In zehn von elf Quartalen meldete das Unternehmen, das Marktführer im Marktsegment der grafischen Onlineanzeigen ist, sinkende Erträge. Zuletzt hatte Yang angekündigt, 1 500 Stellen zu streichen.

Die Kooperation mit Google hätte Yahoo Luft verschafft. Yang hatte von 800 Mio. Dollar zusätzlichem Umsatz pro Jahr gesprochen, das Plus beim operativen Cash-Flow bezifferte er auf 250 bis 450 Mio. Dollar. Damit war es ihm gelungen, die enttäuschten Yahoo-Investoren bis jetzt ruhigzustellen. Viele von ihnen hätten gerne das Microsoft-Angebot von zuletzt 33 Dollar pro Aktie angenommen.

Für Yang könnte das Scheitern der Pläne deshalb das endgültige Aus bedeuten. Die Stimmen mehren sich, die von seinem bevorstehenden Rücktritt sprechen. "Das ist der klassische Fall eines Unternehmens, dass dringend frisches Blut braucht", sagte etwa Anthony Valencia, Fondsmanager der TWC Group der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Mit dem richtigen Management wäre ein Turn-around möglich." TWC verwaltet nach eigenen Angaben über 118 Mrd. Dollar und hält Anteile an Yahoo. Unter den Aktionären befindet sich auch der Großinvestor Carl Icahn, der sich im Sommer gegen den erbitterten Widerstand Yangs mehrere Sitze im Board des Unternehmens gesichert hatte. Icahn tritt offen für einen Verkauf an Microsoft ein.

Allerdings beteuert Microsoft bis heute, kein Interesse mehr an Yahoo zu haben. Momentan gebe es keine Gespräche, räumte Yang ein. Sollte Microsoft wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, wäre er in einer starken Position: "Yang wird auf jedes Angebot einsteigen müssen", sagte Analyst Jeff Lindsay von Sanford C. Bernstein.

Einzige noch verbliebene Hoffnung wäre eine Fusion mit dem Onlinedienst AOL. Der hatte am Mittwoch einen Umsatzeinbruch um 17 Prozent melden müssen. Dadurch erhöhte sich der Druck auf Time Warner, eine Lösung für das Tochterunternehmen zu finden. Gerüchten zufolge könnte das Werbe- und Inhalte-Geschäft AOLs in Yahoo integriert werden. Im Gegenzug würde sich Time Warner an Yahoo beteiligen. Die Unternehmen wollten dazu keine Stellung nehmen. Der Kurs der Yahoo-Aktie legte gestern zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent zu. Dagegen verloren die Papiere von Google gut drei Prozent, der Microsoft-Kurs gab um zwei Prozent nach.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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