Aktionäre könnten auf Schadensersatz pochen
Mobilcom-Fusion: Freenet droht teure Klage

Die Verschmelzung mit Mobilcom im vergangenen Jahr könnte den Internet- und Mobilfunkanbieter Freenet teuer zu stehen kommen. Mehrere Analysten rechnen damit, dass frühere Mobilcom-Aktionäre Schadenersatz-Klagen gegen das Unternehmen einreichen werden. Freenet gibt sich trotzdem gelassen.

DÜSSELDORF. "Die Ansprüche könnten sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen", sagt Thomas Karlovits von Landsbanki Kepler. Auch andere Analysten halten diese Größenordnung für realistisch.

Hintergrund ist die Mitte 2005 beschlossene und im März 2007 schließlich vollzogene Verschmelzung Mobilcoms mit Freenet.de zur heutigen Freenet AG. Damals hatten die Aktionäre der Freenet.de für eine ihrer Aktien 1,15 Anteile der neuen Gesellschaft bekommen, für Mobilcom-Investoren lag die Relation bei eins zu eins. Das Tauschverhältnis wurde 2005 auf Grundlage der erwarteten Geschäftsentwicklung der beiden Unternehmen festgelegt.

Aus heutiger Sicht wurden die Mobilcom-Aktionäre dabei erheblich benachteiligt: Das von Mobilcom eingebrachte Mobilfunkgeschäft hat die Erwartungen weitgehend erfüllt. "Die Sparten der früheren Freenet.de schneiden aber viel schlechter ab als geplant", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Während 2005 das geplante Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erreicht wurde, lag es schon 2006 rund ein Drittel unter dem avisierten Wert. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die ehemalige Freenet.de nach Berechnung von Analysten ein bereinigtes Ebitda von 11 Mill. Euro, geplant waren dagegen 243 Mill. Euro. Die von Freenet publizierten Zahlen sind wegen einer Umstellung in der Bilanzierung wenig aussagekräftig. Ähnlich hoch wird die Differenz voraussichtlich auch 2008 sein.

Besonders das Geschäft mit schnellen Internetzugängen lief deutlich schlechter als prognostiziert. Das Unternehmen litt unter dem harten Preiskampf, den sich die Anbieter um Neukunden seit einigen Jahren liefern. Aber auch die anderen Sparten, darunter das Web-Hosting, konnten die Planungen nicht erfüllen.

Die rechtlichen Hürden für eine erfolgreiche Klage sind allerdings hoch. "Um Anspruch auf Schadenersatz zu erhalten, müsste dem Vorstand grundsätzlich eine vorsätzlich falsche Planung nachgewiesen werden", sagt Oliver Sieg, Rechtsanwalt der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. In der Praxis sei dies sehr schwierig. Dass die tatsächlichen Gewinne von den erwarteten abwichen, reiche als Beweis dafür nicht aus.

Freenet äußerte sich gelassen zu den möglichen Klagen. "Die Bewertung wurde damals unter größter Sorgfalt erstellt, von den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Ernst & Young und KPMG gutachterlich bestätigt und von dem Verschmelzungsprüfer Susat & Partner geprüft", sagte eine Sprecherin.

Wegen der Verschmelzung läuft bereits seit einiger Zeit ein so genanntes Spruchverfahren vor dem Landgericht Kiel. Das Gericht muss prüfen, ob die Tauschrelation der Aktien angemessen war. Das Verfahren liegt allerdings momentan auf Eis, weil ein Antragsteller die Unbefangenheit des Richters infrage stellt.

Pikant: Der Konkurrent und Großaktionär Drillisch stieg 2006 über Mobilcom-Anteile bei der heutigen Freenet ein. Das Unternehmen lieferte sich gemeinsam mit seinem Partner United Internet in den vergangenen Monaten eine heftige Auseinandersetzung mit Freenet-Chef Eckhard Spoerr. Über eine mögliche Klage wollte sich Drillisch nicht äußern.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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